Samstag, 18. April 2009

Penny, Marianne, Susan und Charly

Und das alles an einem Tag.

Heute morgen bin ich in Peterborough aufgewacht. Viel verpasst habe ich wohl nicht, denn da bin ich gestern auch eingeschlafen. Weil das kleine Dorf direkt an einem schoenen Strand liegt, bin ich morgens einmal drueberspaziert und traf auf zwei Frauen Mitte 30 und einen Hund. Am Abend zuvor hatte ich die Grenze zwischen South Australia und Victoria ueberquert und fragte mich, ob mal wieder die Uhren umstellen muss. Die beiden hatten zwar keine Uhr, aber man kam ins Gespraech. Penny und Marianne. Ja, ich fahre hier so rum. Wo ich schlafe? Im Auto. Ja, in dem Auto. Klar trinke ich bei Euch 'nen Kaffee!



Somit fuhr ich mit einer inzwischen irre laut kreischenden Lichtmaschine auf die andere Seite des Dorfes und wartete auf die beiden. Als sie ankamen, gab es Nescafe in einem netten kleinen Ferienhaus mit Kamin. Eigentlich wohnen die beiden in Melbourne und haengen hier nur das Wochenende ab. Penny arbeitet in der Abteilung fuer Netzwerksicherheit bei UBS, dieser grossen Bank, hat aber eigentlich gar nichts mit Computern zu tun. Als ich mich offenbarte, sagte sie ich waere aber kein UNIX-Typ sondern mehr ein Datenbankadministrator. Erstere sind naemlich fett, ungekaemmt und tragen Comic-Krawatten waehrend letztere irgendwie "funky" waeren und immer irgendwas mit Grafik nebenbei machen wuerden. Ein DBA-Kollege arbeitet als Freier bei UBS und verdient dort angenehme 2000 Pfund am Tag. Bui.

Weil ich derweil an einer Moehre aus meiner Essenskiste im Auto nagte, erntete ich kulinarisches Mitleid. Man fragte ob ich denn auch mal was Ordentliches essen wuerde und ich berichtete von meiner letzten Woche, bestehend aus Haferflocken, Muesli oder Ei-auf-Brot. Und schon wurde ich nach Melbourne zum Grillen eingeladen. Jackpot! Erstmal fein eine Nummer abgestaubt, da soll ich anrufen wenn ich ankomme. Die beiden wohnen in St. Kilda, am ehesten mit der Schanze zu vergleichen.

Bis um 12 mussten sie aber noch in irgendeinem Laden im Nachbardorf was einkaufen und erzaehlten mir beim Anziehen, dass ich unbedingt in Kennet River anhalten sollte. Da gibt es zwar nur genau ein Cafe, aber wenn man dran vorbei den Berg hochfaehrt, kann man Koalas sehen. Viele Koalas. Und wenn man sich im Cafe Vogelfutter kauft, bekommt man mehr Vogel-Besuch als eine Bahnhofsuhr.

Also fuhr ich los und merkte 10 Minuten spaeter, dass es die falsche Richtung war. Nach weiteren 15 Minuten merkte ich, dass ich meine Jacke mit Kamera bei den beiden hatte liegen lassen. Also zurueck zur Wohnung, wo beides mit einem netten Brief vor der Tuer lag. Marianne waere mir hinterhergefahren, hatte mich aber nicht mehr einholen koennen. Kommt mir bekannt vor, guter Start in den Tag, Adler.



Ungefaehr 20km spaeter ist links neben der Kuestenstrasse ein ziemlich grosser Parkplatz, von dem aus man durch eine Unterfuehrung zu den Klippen am Meer kommt. Und da stehen dann sieben lange Annas vor einem Pulk von Touristen. Zwei mal habe ich Asiaten fotorgrafieren sollen, ein Mal Englaender. Das Licht war leider nicht ganz so prall, weiter zu den Koalas!



In Kennet River angekommen fuhr ich hinter dem Cafe den Berg hoch und bog rechts ab, weil dort ein paar Leute in einem Vorgarten standen. "Excuse me, do you happen to know where I can see..." und dann sah ich den Koala im Baum neben ihnen. "Err, nevermind".



Koalas schocken, weil sie niedlich aussehen und bei denen alles in Zeitlupe ablaeuft. Der Typ im Billabong Sanctuary meinte, in den Blaettern steckt nicht viel Energie und deswegen haben die nie Lust zu rennen. Als die anderen weg gingen, hab' ich mich einfach mal ins Gras neben den Koala gelegt und ihm zugesehen. Taugt auf jeden Fall als Entspannungstechnik.



Anschliessend habe ich mir noch eine andere Strasse mit ein paar Koalas in hohen Baeumen und bunten Voegeln angesehen. Und auch wenn die gemeine deutsche Taube weder farblich noch akustisch mithalten kann sind Koalas die klaren Gewinner.



Inzwischen war die Batterie- und Bremsleuchte im Auto angegangen. Was mir letztere sagen wollte, wusste ich nicht, aber erstere kannte ich schon ganz gut. Scheisse, dann mal auf nach Melbourne und eine neue finden. Alte Autos nerven.



Abends hab' ich mir dann einen Platz zum Pennen am Strand finden wollen und fuhr deswegen einfach mal einem Surfer-Dude-Auto hinterher. Ein paar Minuten spaeter kamen wir in Bells Beach an, wo gerade jetzt am Sonntagabend die RipCurl-Surf-Arschgeigencompetition zu Ende war. Es standen noch Kuehlschraenke, Dixiklos und Muelltonnen herum und Sicherheitsleute wachten ueber andere, die Kabel aufrollten.



Ich ging runter zum Strand und knipste ein paar Fotos, bevor ich eine Frau mit Kind anquatschte, was ich denn verpasst haette. Die Frau heisst Susan, ihre Nichte Charly. Sie kommen aus Melbourne und haengne hier bloss rum. Si everkauft Serie-X-Server fuer IBM in Victoria und Tasmanien, will aber morgen ihrer Chefin eroeffnen, dass sie nach vier Jahren lieber Rational-Software verkaufen moechte.



Wir quatschten ueber ihre Branche, IBM, Sales und Schmiergelder, Nehalem, Sun, HP, Dell, Cisco, Quiksilver, RipCurl und Billabong. Ganz interessant, haette nicht gedacht dass Tasmanien ein Markt fuer Serverhardware ist. Hier am Strand ist uebrigens irgendein Surferfilm mit Keanu Reeves gedreht worden. Dann gab sie mir ihre Karte, ich solle doch mal anrufen, wenn ich in Melbourne bin.



Und dann hab' ich noch mit Guido telefoniert.

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