Sonntag, 12. April 2009

Ayers Rock

Auf der Karte und in meinem Kopf lagen Stein und Canyon ziemlich dicht beieinander, aber ich sach mal: das taeuscht!



Fast vier Stunden lang drehte ich mein verbogenes Lenkrad bis ich endlich Eintritt zahlen durfte, um mich dem Stein zu naehern. Und zwischendurch wird man auch noch reingelegt, weil der folgende Stein auf dem Weg liegt und dem Original gar nicht unaehnlich ist. Impostor! Noch eine ganze Stunde musste ich weiterfahren.



Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich Eintritt fuer ein Stueck Land bzw. einen Nationalpark gezahlt habe - dafuer darf man sich dann auch vier Tage lang mit dem Stein eins werden. Mal ehrlich, Frollein, wer macht das denn schon?





Ich dachte immer, die duenne Linie auf der Karte um den Felsen waere ein Wanderweg. Den gibt es auch, aber die Linie ist eine Strasse, denn der Wanderweg ist der innere Ring, die Strasse der aeussere. Manchmal treffen sich die beiden, wohl damit Busse Wanderer aufsaugen und ausspucken koennen.



Und schon fing Herr Adler an, zu planen: Wir ham's kurz nach zwei, der Wanderweg drumrum ist 10km lang, also eine gute Stunde. Zum Sonnenuntergang muss ich, mmh, wo will ich da sein? Im Westen, damit der Felsen schoen glueht, oder im Osten, dann waers im Gegenlicht mit der Sonne im Hintergrund. Auf der Kamera nachgesehen, wann die letzten Tage Sonnenuntergang war, fuehrt mich zu den schoenen Bildern im Kakadu-Park: 1830.

Weil also noch viel Zeit bleibt, fahre ich einmal mit dem Auto um den Felsen und parke beim cultural center. Auf dem Flyer stand nur, dass man den Felsen nicht besteigen soll, weil viele Leute abrutschen und sich verletzen - und dann wuerden die Aboriginees trauern. Das haette mich nicht wirklich abgehalten (und so haette ich den Weg angetreten, um ihn - in Thores Worten - German-Style zu besteigen :). Hier wurde aber erklaert, dass man es einfach nicht tut, denn es ist Gesetz.



Also doch nicht. Vom cultural center zurueck zum Parkplatz gleich am Stein machte ich ein paar Bilder von denen, die trotzdem klettern wollten und ging dann rum. Auf dem Weg begegnete ich drei Franzoesinnen, von denen eine wild um sich in die Luft schlug. Mich hatten gestern bei den Meteoritenkratern die Fliegen so sehr genervt, dass ich mir aus einem Fetzen Mosquitonetz ein Muetzenschutz genaeht habe. Wie nuetzlich.



Die drei Franzoesinnen waren noch ein paar Jahre juenger und reisten alle zusammen in einem nur unwesentlich groesseren Auto rum. Respekt! Als sie dann zu rauchen anfingen, trennten sich unsere Wege wieder.



Es gibt ein paar wirklich schoene Stellen, an denen Wind und Sonne irgendwie zusammen passen - es ist nicht so fies heiss und ein laues Lueftchen weht. Und kurz bevor ich ein kleines Wasserloch entdecke, scherzen zwei blokes ueber die Jahrtausende alten Muellsaecke, die man aus religioesen Gruenden nicht fotografieren soll.





Unterwegs wird man naemlich staendig von Schildern gebeten, die akutelle Ansicht des Steins nicht zu fotografieren, weil es sich dabei um eine heilige Staette handeln wuerde. Hab ich dann auch gelassen, aber mich haette interessiert, was denn da genau stattgefunden hat.





Als ich mich gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang westwaerts eingefunden hatte, patzten die Elemente. Wolken. Kein Sonnenuntergang. Zum Glueck rief Thore an und wir quatschen ein Weilchen, waehrend ich unmotiviert ein paar blasse Fotos knipste. Und weil ich ihn von meinem kleinen Unfall erzaehlte, rief ich danach auch noch Mama an. Sie sollte es nicht aus der Zeitung erfahren :)





Es ist schwierig, diesen Stein einzuordnen. Er ist echt gross, im richtigen Licht wunderschoen und sieht von jeder Seite anders aus. Und es ist ein bloeder Stein. Manchmal sind Sehenswuerdigkeiten genau so toll, wie man sie in seinem Kopf gerade macht.

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