war die erste groessere Stadt, die ich nach dem Outback gesehen habe. Morgens kam ich an Port Wakefield vorbei gefahren und machte dort am Schrottplatz halt. Peter hatte mir den Tipp gegeben, denn der Platz sollte zu den groessten in ganz SA gehoeren.
Ein freundlicher Mittzwanziger erklaerte mir, dass eine Seitenscheibe 60 und ein Rueckspiegel 85 kosten wuerde. Die Frontscheibe kann man nicht ausbauen, denn im Werk legen die Mitarbeiter Gummischlaeuche zwischen Auto und Fensterscheibe, bevor sie darin enthaltene kleine Draehte an Strom anschliessen. Somit schmilzt das Gummi und die Scheibe sitzt fest. Er haette schon oefter versucht, die Frontscheibe vom Fahrersitz mit den Beinen herauszustemmen, sie waere aber immer kaputt gegangen. Warum man nicht nach Peters Vorschlag mit einem kleinen Draht von innen und aussen an den Dichtungen entlangschneiden kann, konnte er mir auch nicht sagen.
Als ich ihm auf der Suche nach einem Vanette folgen wollte, musste ich mir erst feste Schuhe und eine lange Hose anziehen. Er waere zwischen den Autos schon ein paar Mal von Schlangen gebisssen worden und haette dann jeweils 45 Minuten Zeit gehabt, ins Krankenhaus in Adelaide zu kommen. Selbst wenn man das Gegengift rechtzeitig bekommt, bleibt man einen Monat im Bett und hat ziemlich schlechte Laune.
Einen Vanette haben wir nicht gefunden, aber er zeigte mir im Vorbeigehen einen anderen Van, der vorne ziemlich viel Verformungsenergie aufgenommen hatte: "We had to pull out the front of this one with a winch. Two asian blokes died in here, they crashed into a truck with a hundred k". Als ich anmerkte, dass gar keine Blutflecken auf den Sitzen sind, sagte er, dass saemtliche Flecken von Unfaellen nach ca. zwei Wochen komplett verschwunden sind. Bis dahin riecht es wohl auch ein bisschen, aber das stoert ihn nicht mehr.

Weil ich also in Port Wakefield leer ausging, habe ich Adelaide dann GTA-Style erkundet. Zuerst ging es zur Autowerkstatt, um nach einem Schrottplatz und einem Wheel-Alignment zu fragen. Schliesslich wurde es hier langsam regnerisch und mir fehlte eine Scheibe. Fuer letzteres empfalh man mir eine Werkstatt 100m weiter, fuer ersteres gab man mir eine Hotline-Nummer; als ich anrief, einigte ich mich mit der Dame, dass ich ein "Right-Hand-Side-Wind-Up-Window Nissan Vanette 92" suchte. Selbiges sagte sie dann in ein Funkgeraet und wartete 10 Sekunden auf eine Antwort. Wie ich spaeter herausfand, sind naemlich alle 80(!) Schrottplaetze in Adelaide mit Funkgeraeten ausgestattet.
Als keiner antwortete, fragte ich die Frau was sie denn nun an meiner Stelle tun wuerde. Das ist immer eine Super-Frage, habe ich gelernt. Es gaebe da noch eine andere Hotline. Angerufen, nannte man mir nach 2 Sekunden ohne Funk-Rueckfrage eine Nummer - die sollten die Scheibe haben. Eine unfreundliche Stimme bot mir eine Frontscheibe zum Wucherpreis von 80 Dollar an, bis um halb Fuenf sollte ich am entlegenen Schrottplatz vorstellig werden, denn er muesste sie ja noch ausbauen.

Na, da hab' ich ja noch Zeit fuer ein Wheel-Alignment. Bei Jack Baker Tyrepower traf ich auf einen wirklich atemberaubend netten Herrn namens Adam. Das Wheelalignment kostet 50, aber erstmal sollte ich das Spiel (=slop) aus dem Lenkrad entfernen lassen. Wahrscheinlich sei meine steering-column locker, die muss man erstmal wieder festschrauben. Also rief er fuer mich jemanden an und zeigte mir seine Werkstatt auf der Karte. 15 Minuten spaeter traf ich auf Mark, einen grummeligen Standard-Automechaniker, der sich mei Auto sofort ansah. Waehrend ich das Lenkrad innerhalb des Spiels hin- und herbwegte, drehte er eine Schraube am Lenkzylinder fest. Fertig.



Zurueck bei Adam versuchte der, seinen momentanen Auftrag auf einen Kollegen zu verschieben. Weils nicht ging, fragte er mich entschuldigend, ob ich nicht am naechsten Morgen wiederkommen koennte. Klar.

Um viertel vor Fuenf schlug ich dann beim Schrotthaendler auf und hatte Glueck, weil er noch eine ausgebaute Scheibe fand. Sonst haette ich am naechsten Tag wiederkommen muessen, sehr nervig. Der Typ war zwar ein Spacken, aber ohne Scheibe bei Regen schlafen wollte ich nicht.

Zweihundert Meter weiter hielt ich neben einem Fluss. Gummidichtungen abziehen, Kurbel und Oeffnungsgriff abbauen. Dann Tuerverkleidug abziehen. Nichtvorhandenes Fenster nach oben kurbeln ging, seine zwei Schrauben loesen ging nicht, weil die Dinger festgerottet waren. Scheisse. Weil mir jetzt eine Kack-10er-Nuss fehlt, kann ich die Scheibe nicht einbauen. Und Automechaniker machen allesamt um 5 Schluss.

Also fuhr ich durch Adelaide, um einen ueberdachten Schlafplatz zu finden. Und siehe da, eine rutergekommene Hinterhofwerkstatt hat noch geoeffnet. Ein indisch anmutender Typ holt eine Taschenlampe und einen Schraubenschluessel.

Zehn Minuten spaeter montiere ich meine neue Seitenscheibe unter den Lichtern eines geschlossenen Spirituosenladens und freue mich.

Am naechsten Morgen lade ich die Karre bei Adam ab und latsche durch die Stadt, um Internetcafes zu betruegen. Eine Stunde spaeter soll ich wieder da sein, nach zwei Stunden sehe ich Adam immer noch unterm Auto schrauben. Die Schraubverstellung der Lenkstange war festgerottet, die musste er erst mit Karamba und einem Bunsenbrenner loesen.

Ausserdem fehlt dem Auto (wie vielen Vans) die Schraube, um die X-Beine zu korrigieren; somit wird die Karre bis zum Ende ihres Lebens Reifen fressen. Ausserdem konnte er eine Lenkstange nicht weiterschrauben weil das Gewinde zu Ende war, somit zieht die Karre jetzt immer leicht nach links. Und dann wollte er fuer gute zwei Stunden Arbeit 15 Dollar haben, also glatte €8.19672131. Protestieren nuetzte nichts, man kuemmert sich hier gut um Reisende. Vielen Dank, Adam.


Nun beschlich mich ein etwas ungutes Gefuehl. Ich hatte zwar viel von Adelaide gesehen, aber nicht das was man so in einem Reisefuehrer finden wuerde. Also fragte ich Adam nach Sehenswuerdigkeiten. Er ueberlegte lange und empfahl mir dann Blue Lake, einen Trinkwasserbergsee der zur Zeit gerade schoen Blau in der Sonne leuchtet. Toll, wo ist denn der? 400km suedoestlich bei Mt. Gambier, auf dem Weg nach Melbourne. Lustig.