Sonntag, 26. April 2009

Sydney

Vorgestern Nachmittag bin ich bei Christoph angekommen. Er wohnt an der maroubra junction, welche eigentlich recht weit vom Zentrum entfernt ist. Hat ein paar Stunden gedauert, dann fiel mir auf dass das eigentlich ein Vorteil ist. Da laufen naemlich nicht halb so viele Menschen ueber die Strasse wie in der Innenstadt, und Supermaerkte gibt es trotzdem. Ausserdem liegt der Strand naeher und unten im Hauserblock ist sogar ein McDonalds. Fett!



Einen Abend bevor ich ankam hat Chrisl mich zwischen Melbourne und Sydney angerufen, ob ich am Montag Abend Fussball spielen kann - in seiner Uni-Mannschaft fehlen naemlich ein paar. Wie geil ist das denn? Werde mir da gleich als se german distroijer einen Namen machen.



Kurz nachdem ich ankam, haben Chrisl und Clara dick Fisch mit Kartoffelauflauf gekocht. Den haben wir dann zusammen mit Radek aufgegessen. Radek ist ein netter 26jaehriger Pole, der sich die Wohnung gemietet hat weil er wohl keinen Bock auf die anderen verfuegbaren Zimmer bzw. Mitbewohner hatte. Und jetzt vermietet er eins der Zimmer an Chrisl und Clara unter. Die Wohnung selber ist ziemlich toll, das Zimmer ist allerdings nur ungefaehr 12qm gross und kostet 300 Dollar die Woche. Aua.



Ich schlafe im Zimmer von Hussein Ali. Der kommt aus Saudi-Arabien und ist laut Aussage aller anderen der netteste Mensch der Welt. Wie ich spaeter hoerte, hielt er es zum Ende seines Heimaturlaubs bei seinen Eltern zuhause nicht mehr aus und waere gerne frueher zurueckgekommen.

Nach dem Essen und ein paar Bier sind wir dann so gegen Mitternacht mit dem Bus in die George-Street gefahren, weil da zum Abschluss der Audi-German-Film-Festivals eine Minimal-Techno-Veranstaltung in irgendeinem Club war. Einer der Filme handelte naemlich von einem drogenkranken Techno-DJ, da passte das also irgendwie dazu.



Mich hat die Musik erst nicht so richtig gepackt, deswegen bin ich ein paar Stunden spaeter die George-Street runtergelaufen, um einen Kaffee zu finden. Der erste McDonalds hatte seine Maschione aber schon abgestellt, deswegen musste ich nochmal eine halbe Stunde in die andere Richtung gehen, um eine andere Filiale zu finden. Das lohnte sich aber, weil dort aus irgendeinem Grunde massenweise junge Damen entlangliefen, die alle mit nach Hause genommen werden wollten.

Zufaelligerweise sass ich neben einem dicken Typen Ende 30, mit dem ich dann ins Gespraech kam. Es handelte sich um einen orthodoxen Christen aus Aegypten, der sich auf symphatische Art ueber meine Nazi-Vergangenheit lustig machte. Dann berichtete er von einem Date mit einer Palaestinenserin, das er vor zehn Jahren hatte. Sie haette angemerkt, dass Aegypter frueher Palaestinenser als Sklaven hielten und umgebracht haetten. "Well, they missed one" war seine Antwort. Heute hat er zwei Kinder mit ihr.

Nach einem kurzen Abstecher in irgendein Internetcafe hab ich dann Chrisl und Clara auf der Techno-Party besucht und bin mit ihnen kurze Zeit spaeter mit dem Taxi nach Hause gefahren. Auf dem Weg zum Hauseingang kamen wir um halb Fuenf Morgens an einer Kreuzung vorbei, an der ueber 100 Menschen frierend und schweigend ins Nichts blickten.



Wir stellten uns dazu und ein Mensch gab uns jeweils einen Zettel und merkte an, dass jener einen Fruehstuecksgutschein enthaelt. Weiterhin klaerte uns der Zettel auf, dass es sich um einen Gottesdienst zum ANZAC-Day handelte, also um gefallenen Soldaten aller Kriege aus Neuseeland und Australien zu gedenken. Wir beobachteten ungefaehr eine Viertelstunde, wie Fahnen gehisst, marschiert und bgebetet wurde, dann machten wir uns leise vom Acker. Das war auch besser, denn unsere Nachbarn liessen langsam erkennen, dass sie mit dem leisen Gekicher von Chrisl und Clara nicht wirklich viel anfangen konnten. Die beiden waren auch nicht ganz nuechtern.



Gestern sind wir dann so gegen Nachmittag losgefahren, um uns den Strand anzusehen. Sehr angenehm, besonders zum Surfen. Nach einer Weile sind wir dann in die Stadt gefahren, weil Clara ab 17 Uhr in einem Steakhaus im Darling Harbor als Kellnerin arbeiten musste. Ziemlich harte Nummer, wenn man als Vegetarierin 6 Stunden lang 1000g-Steaks durch die Gegend traegt und entsprechend riechend nach Hause kommt. Nachdem wir sie abgesetzt und einen Kaffee getrunken hatten, kamen wir an ihrem Laden vorbei und bekamen einen Eindruck, wie wenig gemuetlich ihre Taetigkeit ist.



Anschliessend haben wir noch ein paar Fotos im Darling Harbor gemacht, sind nach Hause gefahren und haben einen der vielen Batman-Filme gesehen.





Heute sind wir nochmal in die Stadt gefahren, damit ich endlich mal die Oper zu Gesicht bekomme. Leider war es ziemlich kalt und fies windig, so dass wir uns nicht ewig aufgehalten haben. Die Oper ist aber ganz schoen um mal drumrumzulaufen und zu sehen, wie die weissen Ohren im Sonnenuntergang orange werden.





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