Freitag, 1. Mai 2009

Tokyo

Bin heute Abend angekommen und mit einem Zug 60km fast in die Innenstadt gefahren. Hostel gefunden und fuer 4,6 Euro zu Abend gegessen.

Mein Telefon funktioniert hier nicht, die Japaner haben irgendein tolleres Netz, das sie mit irre grossen Klapptelefonen benutzen. So, jetzt aber ab ins Bett.

Montag, 27. April 2009

Sydney 2

Heute morgen waren wir bei Alex, meinem Sydney-Automechaniker. Der hat sich sogar an mich erinnert und sich leicht gefreut, als ich wieder auftauchte. Erst erzaehlte er mir von seinen konkreten Plaenen, im naechsten Sommer das Daimler-Museum in Frankfurt anzusehen und warf dann ein Auge auf das Auto.



Ob es noch einmal einen Pink Slip (TUEV) bekommt, muss man dann sehen, es sind ja noch zwei Monate. Die Frontscheibe muss auf jeden Fall neu gemacht werden und einen Spiegel braeuchte man auch noch. Ansonsten war ja auch beim letzten Mal nicht viel zu machen, so dass es eigentlich klappen koennte.

Zum Glueck ist das jetzt alles nicht mehr mein Problem. Wenn ich morgen wegfliege, lass ich Chrisl das Auto einfach da. Und wenn er es nach ein paar Monaten noch einmal verkauft bekommt, koennen wir uns dann ja nochmal unterhalten. Bin auf jeden Fall auf die Geschichten gespannt!



Danach musste Chrisl zur Uni. Die haben wir uns noch kurz angesehen und einen Kaffee getrunken, dann sind Clara und ich mal wieder in die George-Street gefahren - diesmal, um die von Henny bestellten Schuhe zu finden. Der erste Laden verkaufte irgendwie komische Versionen, deren Leder sich mehr nach Plastik anfuehlte. Im zweiten Laden verbrachten wir eine knappe Stunde, weil die Groessen nicht passten. Hab Henny ein paar Mal angerufen, aber kurz vorm Kauf scheiterte es noch am farblichen Unterschied. Man haette gerne Stout Brown gehabt, die Schuhe waren aber schwarz.



Zurueck an der Uni haben Clara und ich uns fuer kleines Geld eine Pizza gekauft und sie auf dem Uni-Rasen weggemampft. Als Chrisl aus seiner Vorlesung kam, war leider grad nix mehr da. Schade.



Weil mir die Zeit langsam davon lief, sidn wir dann noch zum Bondi Beach geknattert. Eigentlich ist das auch nur ein Strand, aber mit den ganzen Surferdude-Laeden an der Promenade. Weil Chrisl noch einen Anzug suchte, haben wir die alle erstmal durchgetuedelt und uns dann auf den Strand gesetzt. Die Wellen waren ziemlich fies hoch, so dass herrlich beobachten konnte, wie Surfer weit draussen von 4m-Wellen zertruemmert wurden.







Nach dem Strand bekam Chrisl noch einen Stimmungsumschwung und ging zurueck in einen Surfladen. Nach einer lustigen Stunde Anprobieren entschied der Herr sich fuer einen ausserordentlich modischen 3,2mm-Anzug, um frostfrei weiter zu surfen. Wird naemlich kalt hier.









Zwischendurch begutachtete ich einen Surfanzug fuer 1400 Dollar. Die werten Herren bei RipCurl haben sich naemlich gedacht, dass ein Anzug mit eingebauter Heizung eine gute Idee waere. So kann man nun also mit Lithium-Ionen-Wechselbatterien, Autoladegeraet und Heizspirale im Rueckenteil eine gute Stunde lang in der Arktis surfen. Die Marketingabteilung nennt es "H-Bomb", ich Unfug.



Abends sind Chrisl und ich dann zum Fussball gefahren. Mit sechs Mann haben wir dann ziemlich dusselig vier zu drei gegen ein paar andere verloren, aber lustig wars trotzdem. Anschliessend trafen sich alle zum Bier trinken und abhaengen bei Chrisl. Auch nett, aber ich fing schon langsam an, zu packen. Morgen Nachmittag flieg ich hier naemlich weg.

Chris, Clara, Radek, habt vielen Dank!

Sonntag, 26. April 2009

Sydney

Vorgestern Nachmittag bin ich bei Christoph angekommen. Er wohnt an der maroubra junction, welche eigentlich recht weit vom Zentrum entfernt ist. Hat ein paar Stunden gedauert, dann fiel mir auf dass das eigentlich ein Vorteil ist. Da laufen naemlich nicht halb so viele Menschen ueber die Strasse wie in der Innenstadt, und Supermaerkte gibt es trotzdem. Ausserdem liegt der Strand naeher und unten im Hauserblock ist sogar ein McDonalds. Fett!



Einen Abend bevor ich ankam hat Chrisl mich zwischen Melbourne und Sydney angerufen, ob ich am Montag Abend Fussball spielen kann - in seiner Uni-Mannschaft fehlen naemlich ein paar. Wie geil ist das denn? Werde mir da gleich als se german distroijer einen Namen machen.



Kurz nachdem ich ankam, haben Chrisl und Clara dick Fisch mit Kartoffelauflauf gekocht. Den haben wir dann zusammen mit Radek aufgegessen. Radek ist ein netter 26jaehriger Pole, der sich die Wohnung gemietet hat weil er wohl keinen Bock auf die anderen verfuegbaren Zimmer bzw. Mitbewohner hatte. Und jetzt vermietet er eins der Zimmer an Chrisl und Clara unter. Die Wohnung selber ist ziemlich toll, das Zimmer ist allerdings nur ungefaehr 12qm gross und kostet 300 Dollar die Woche. Aua.



Ich schlafe im Zimmer von Hussein Ali. Der kommt aus Saudi-Arabien und ist laut Aussage aller anderen der netteste Mensch der Welt. Wie ich spaeter hoerte, hielt er es zum Ende seines Heimaturlaubs bei seinen Eltern zuhause nicht mehr aus und waere gerne frueher zurueckgekommen.

Nach dem Essen und ein paar Bier sind wir dann so gegen Mitternacht mit dem Bus in die George-Street gefahren, weil da zum Abschluss der Audi-German-Film-Festivals eine Minimal-Techno-Veranstaltung in irgendeinem Club war. Einer der Filme handelte naemlich von einem drogenkranken Techno-DJ, da passte das also irgendwie dazu.



Mich hat die Musik erst nicht so richtig gepackt, deswegen bin ich ein paar Stunden spaeter die George-Street runtergelaufen, um einen Kaffee zu finden. Der erste McDonalds hatte seine Maschione aber schon abgestellt, deswegen musste ich nochmal eine halbe Stunde in die andere Richtung gehen, um eine andere Filiale zu finden. Das lohnte sich aber, weil dort aus irgendeinem Grunde massenweise junge Damen entlangliefen, die alle mit nach Hause genommen werden wollten.

Zufaelligerweise sass ich neben einem dicken Typen Ende 30, mit dem ich dann ins Gespraech kam. Es handelte sich um einen orthodoxen Christen aus Aegypten, der sich auf symphatische Art ueber meine Nazi-Vergangenheit lustig machte. Dann berichtete er von einem Date mit einer Palaestinenserin, das er vor zehn Jahren hatte. Sie haette angemerkt, dass Aegypter frueher Palaestinenser als Sklaven hielten und umgebracht haetten. "Well, they missed one" war seine Antwort. Heute hat er zwei Kinder mit ihr.

Nach einem kurzen Abstecher in irgendein Internetcafe hab ich dann Chrisl und Clara auf der Techno-Party besucht und bin mit ihnen kurze Zeit spaeter mit dem Taxi nach Hause gefahren. Auf dem Weg zum Hauseingang kamen wir um halb Fuenf Morgens an einer Kreuzung vorbei, an der ueber 100 Menschen frierend und schweigend ins Nichts blickten.



Wir stellten uns dazu und ein Mensch gab uns jeweils einen Zettel und merkte an, dass jener einen Fruehstuecksgutschein enthaelt. Weiterhin klaerte uns der Zettel auf, dass es sich um einen Gottesdienst zum ANZAC-Day handelte, also um gefallenen Soldaten aller Kriege aus Neuseeland und Australien zu gedenken. Wir beobachteten ungefaehr eine Viertelstunde, wie Fahnen gehisst, marschiert und bgebetet wurde, dann machten wir uns leise vom Acker. Das war auch besser, denn unsere Nachbarn liessen langsam erkennen, dass sie mit dem leisen Gekicher von Chrisl und Clara nicht wirklich viel anfangen konnten. Die beiden waren auch nicht ganz nuechtern.



Gestern sind wir dann so gegen Nachmittag losgefahren, um uns den Strand anzusehen. Sehr angenehm, besonders zum Surfen. Nach einer Weile sind wir dann in die Stadt gefahren, weil Clara ab 17 Uhr in einem Steakhaus im Darling Harbor als Kellnerin arbeiten musste. Ziemlich harte Nummer, wenn man als Vegetarierin 6 Stunden lang 1000g-Steaks durch die Gegend traegt und entsprechend riechend nach Hause kommt. Nachdem wir sie abgesetzt und einen Kaffee getrunken hatten, kamen wir an ihrem Laden vorbei und bekamen einen Eindruck, wie wenig gemuetlich ihre Taetigkeit ist.



Anschliessend haben wir noch ein paar Fotos im Darling Harbor gemacht, sind nach Hause gefahren und haben einen der vielen Batman-Filme gesehen.





Heute sind wir nochmal in die Stadt gefahren, damit ich endlich mal die Oper zu Gesicht bekomme. Leider war es ziemlich kalt und fies windig, so dass wir uns nicht ewig aufgehalten haben. Die Oper ist aber ganz schoen um mal drumrumzulaufen und zu sehen, wie die weissen Ohren im Sonnenuntergang orange werden.





Samstag, 18. April 2009

Penny, Marianne, Susan und Charly

Und das alles an einem Tag.

Heute morgen bin ich in Peterborough aufgewacht. Viel verpasst habe ich wohl nicht, denn da bin ich gestern auch eingeschlafen. Weil das kleine Dorf direkt an einem schoenen Strand liegt, bin ich morgens einmal drueberspaziert und traf auf zwei Frauen Mitte 30 und einen Hund. Am Abend zuvor hatte ich die Grenze zwischen South Australia und Victoria ueberquert und fragte mich, ob mal wieder die Uhren umstellen muss. Die beiden hatten zwar keine Uhr, aber man kam ins Gespraech. Penny und Marianne. Ja, ich fahre hier so rum. Wo ich schlafe? Im Auto. Ja, in dem Auto. Klar trinke ich bei Euch 'nen Kaffee!



Somit fuhr ich mit einer inzwischen irre laut kreischenden Lichtmaschine auf die andere Seite des Dorfes und wartete auf die beiden. Als sie ankamen, gab es Nescafe in einem netten kleinen Ferienhaus mit Kamin. Eigentlich wohnen die beiden in Melbourne und haengen hier nur das Wochenende ab. Penny arbeitet in der Abteilung fuer Netzwerksicherheit bei UBS, dieser grossen Bank, hat aber eigentlich gar nichts mit Computern zu tun. Als ich mich offenbarte, sagte sie ich waere aber kein UNIX-Typ sondern mehr ein Datenbankadministrator. Erstere sind naemlich fett, ungekaemmt und tragen Comic-Krawatten waehrend letztere irgendwie "funky" waeren und immer irgendwas mit Grafik nebenbei machen wuerden. Ein DBA-Kollege arbeitet als Freier bei UBS und verdient dort angenehme 2000 Pfund am Tag. Bui.

Weil ich derweil an einer Moehre aus meiner Essenskiste im Auto nagte, erntete ich kulinarisches Mitleid. Man fragte ob ich denn auch mal was Ordentliches essen wuerde und ich berichtete von meiner letzten Woche, bestehend aus Haferflocken, Muesli oder Ei-auf-Brot. Und schon wurde ich nach Melbourne zum Grillen eingeladen. Jackpot! Erstmal fein eine Nummer abgestaubt, da soll ich anrufen wenn ich ankomme. Die beiden wohnen in St. Kilda, am ehesten mit der Schanze zu vergleichen.

Bis um 12 mussten sie aber noch in irgendeinem Laden im Nachbardorf was einkaufen und erzaehlten mir beim Anziehen, dass ich unbedingt in Kennet River anhalten sollte. Da gibt es zwar nur genau ein Cafe, aber wenn man dran vorbei den Berg hochfaehrt, kann man Koalas sehen. Viele Koalas. Und wenn man sich im Cafe Vogelfutter kauft, bekommt man mehr Vogel-Besuch als eine Bahnhofsuhr.

Also fuhr ich los und merkte 10 Minuten spaeter, dass es die falsche Richtung war. Nach weiteren 15 Minuten merkte ich, dass ich meine Jacke mit Kamera bei den beiden hatte liegen lassen. Also zurueck zur Wohnung, wo beides mit einem netten Brief vor der Tuer lag. Marianne waere mir hinterhergefahren, hatte mich aber nicht mehr einholen koennen. Kommt mir bekannt vor, guter Start in den Tag, Adler.



Ungefaehr 20km spaeter ist links neben der Kuestenstrasse ein ziemlich grosser Parkplatz, von dem aus man durch eine Unterfuehrung zu den Klippen am Meer kommt. Und da stehen dann sieben lange Annas vor einem Pulk von Touristen. Zwei mal habe ich Asiaten fotorgrafieren sollen, ein Mal Englaender. Das Licht war leider nicht ganz so prall, weiter zu den Koalas!



In Kennet River angekommen fuhr ich hinter dem Cafe den Berg hoch und bog rechts ab, weil dort ein paar Leute in einem Vorgarten standen. "Excuse me, do you happen to know where I can see..." und dann sah ich den Koala im Baum neben ihnen. "Err, nevermind".



Koalas schocken, weil sie niedlich aussehen und bei denen alles in Zeitlupe ablaeuft. Der Typ im Billabong Sanctuary meinte, in den Blaettern steckt nicht viel Energie und deswegen haben die nie Lust zu rennen. Als die anderen weg gingen, hab' ich mich einfach mal ins Gras neben den Koala gelegt und ihm zugesehen. Taugt auf jeden Fall als Entspannungstechnik.



Anschliessend habe ich mir noch eine andere Strasse mit ein paar Koalas in hohen Baeumen und bunten Voegeln angesehen. Und auch wenn die gemeine deutsche Taube weder farblich noch akustisch mithalten kann sind Koalas die klaren Gewinner.



Inzwischen war die Batterie- und Bremsleuchte im Auto angegangen. Was mir letztere sagen wollte, wusste ich nicht, aber erstere kannte ich schon ganz gut. Scheisse, dann mal auf nach Melbourne und eine neue finden. Alte Autos nerven.



Abends hab' ich mir dann einen Platz zum Pennen am Strand finden wollen und fuhr deswegen einfach mal einem Surfer-Dude-Auto hinterher. Ein paar Minuten spaeter kamen wir in Bells Beach an, wo gerade jetzt am Sonntagabend die RipCurl-Surf-Arschgeigencompetition zu Ende war. Es standen noch Kuehlschraenke, Dixiklos und Muelltonnen herum und Sicherheitsleute wachten ueber andere, die Kabel aufrollten.



Ich ging runter zum Strand und knipste ein paar Fotos, bevor ich eine Frau mit Kind anquatschte, was ich denn verpasst haette. Die Frau heisst Susan, ihre Nichte Charly. Sie kommen aus Melbourne und haengne hier bloss rum. Si everkauft Serie-X-Server fuer IBM in Victoria und Tasmanien, will aber morgen ihrer Chefin eroeffnen, dass sie nach vier Jahren lieber Rational-Software verkaufen moechte.



Wir quatschten ueber ihre Branche, IBM, Sales und Schmiergelder, Nehalem, Sun, HP, Dell, Cisco, Quiksilver, RipCurl und Billabong. Ganz interessant, haette nicht gedacht dass Tasmanien ein Markt fuer Serverhardware ist. Hier am Strand ist uebrigens irgendein Surferfilm mit Keanu Reeves gedreht worden. Dann gab sie mir ihre Karte, ich solle doch mal anrufen, wenn ich in Melbourne bin.



Und dann hab' ich noch mit Guido telefoniert.

Freitag, 17. April 2009

Michelle

Zwischen Adelaide und Melbourne liegen ein paar hundert huebsche Kilometer, die ich an zwei Tagen abzufahren hatte um im Zeitplan zu bleiben. Wenn ich keine Zeit habe und irgendwo schnell von A nach B fahren muss, erlebe ich meistens nicht so viel. Diesmal begruesste mich aber schon nach guten drei Stunden ein ausgetrockneter Salzwassersee. Nicht nur war er in der Sonne schoen anzusehen, man konnte einfach einen kleinen Brocken aus dem Boden schlagen und ihn seinem Meerschweinchen als Leckstein mitbringen.





Spaeter fahre ich durch ein Dorf, dessen Haptattraktion ein grosser Hummer ist. Die Dusche der oertlichen BP-Tankstelle war fuer mich die groessere Touristenattraktion.



Nachdem ich mir ein paar Eier-auf-Brot in die Figur geworfen hatte, wurde es langsam dunkel. Ich fahre durch die Nacht, um halbwegs im Zeitplan zu bleiben, da naehert sich vom Horizont langsam ein Warnblinker am Strassenrand. Geil, neuer Blogeintrag, denke ich und trete die Kupplung.

Langsam rolle ich an dem gestrandeten Ende-Der-Neunziger-Ford vorbei. Eine Frau Anfang Fuenfzig. Ich halte vor ihr an, steige aus, da schreit sie mir schon entgegen "ahiddaroo". "You what?" frage ich verwirrt, sie wiederholt "I hit a roo". Ah, ein Kaenguruh also. Und tatsaechlich, ihre Motorhaube ziert das Negativ eines Kaenguruharsches und auch ihre Frontscheibe kommt eher nicht mehr durch den TUEV.

Ob ich sie ein paar Kilometer mitnehmen koennte? Klar. Ich raeume meinen Beifahrersitz auf und sie bewegt das Auto noch ein paar Meter von der Strasse weg - es klingt dabei eher wie ein T-Modell.

Genau seit sie ihren ersten Satz gesagt hat, weiss ich dass wir nicht wirklich auf einer Wellenlaenge liegen. Mein Eindruck von ihr ist der einer forschen, lauten und streitsuechtigen Person. Dieses Eindrucks ist sie sich aber nicht bewusst und quatscht drauf los. Michelle. Sie traegt Zeitung aus und arbeitet in einem Kindergarten als Erziehering. Beides macht ihr Spass, aber beim Zeitung-Austragen kann sie Mercedes fahren (Smart, um genau zu sein). Ich frage, warum sie trotz des Unfalls so gute Laune hat. "3rd Party Insurance".



Zuhause angekommen laedt sie mich natuerlich noch auf einen Kaffee ein und ich guck mir ihre Bude von drinnen an. Voll mit Vitrinen, die wiederum mit Nutzlosigkeiten aus Porzellan gefuellt sind. Ihr Sohn posiert mit seiner Infantrieeinheit in Afghanistan auf einem Foto, ihre drei Toechter (Vier minus eine, die den ploetzlichem Kindstod gestorben ist) stehen daneben. Er hat nach neun Jahren keine Lust mehr auf die Army gehabt, jetzt macht er Computerzeugs und vermietet dieses Haus an sie.

Mich umschwaermen ihre fuenf Katzen (herrlich!) und kurz nachdem sie mir ihre Liebe zu diesen Tieren offenbart erzaehlt sie mir von der Schlange, die unter ihrem Haus lebt. Giftige Schlangen gibt es hier viele, aber die unter ihrem Haus bekommt sie einfach nicht weg. Sie hat schonmal alle Katzen unter das Haus geschickt, damit die das Problem loesen, aber eine kam mit blauen Lippen und Pfoten wieder raus und starb. Echte Katzenliebe, denke ich mir, das Gift haette sie auch in sieben Leben nicht verstoffwechselt bekommen.

Als ich sie frage, ob sie hier in der Naehe geboren wurde, erwaehnt sie im Nebensatz, dass ihr Onkel mit ihre Dinge getan hat, die er nicht haette tun sollen. Deswegen wohnt sie 50km weiter um sich aussuchen zu koennen, mit welchen Familienmitgliedern sie weiterhin Kontakt hat. Nur mit ihrem Vater, aber auch nicht wirklich.

Dann zeigt sie mir ihre Malereien (eher schlecht und fuerchterlich kitschig) und erzaehlt mir, dass sie sich staendig mit ihren drei Toechtern streitet, wenn man sich sieht. Die drei tun mir Leid. Als waere das nicht genug, erinnert sie uns beide daran, dass ihre aelteste Tochter (heute 24) vor zehn Jahren mit Michelles Freund ins Bett gestiegen ist. Baeng, das ist ja ein Blick ueber den Tellerrand fuer eine 14jaehrige, denke ich mir.



Jetzt muss ich mir noch ein Gedicht von ihr durchlesen. Sie haette schon ein paar Poesiewettbewerbe gewonnen, aber nicht mit diesem Gedicht. Erleichterung stellt sich ein. Nachdem ich das Wasser/Kakaopulver-Gemisch laechelnd weggearbeitet habe, zeigt sie mir ihren Bauernhof mit Huehnern, Enten, Pferden und noch weiteren, exotischeren Voegeln. Ganz interessant eigentlich.

Und dann muss ich auch weiter. Auf dem Weg nach draussen sagt sie mir, ich solle nach einem Kilometer rechts ueber den Pfad bis zum Strand fahren, da kann man gut schlafen. Haette sie vorgestern gemacht, nachdem sie sich so mit ihrer Tochter zerstritten hat und nicht mehr im gleichen Haus schlafen wollte.

Donnerstag, 16. April 2009

Adelaide

war die erste groessere Stadt, die ich nach dem Outback gesehen habe. Morgens kam ich an Port Wakefield vorbei gefahren und machte dort am Schrottplatz halt. Peter hatte mir den Tipp gegeben, denn der Platz sollte zu den groessten in ganz SA gehoeren.

Ein freundlicher Mittzwanziger erklaerte mir, dass eine Seitenscheibe 60 und ein Rueckspiegel 85 kosten wuerde. Die Frontscheibe kann man nicht ausbauen, denn im Werk legen die Mitarbeiter Gummischlaeuche zwischen Auto und Fensterscheibe, bevor sie darin enthaltene kleine Draehte an Strom anschliessen. Somit schmilzt das Gummi und die Scheibe sitzt fest. Er haette schon oefter versucht, die Frontscheibe vom Fahrersitz mit den Beinen herauszustemmen, sie waere aber immer kaputt gegangen. Warum man nicht nach Peters Vorschlag mit einem kleinen Draht von innen und aussen an den Dichtungen entlangschneiden kann, konnte er mir auch nicht sagen.

Als ich ihm auf der Suche nach einem Vanette folgen wollte, musste ich mir erst feste Schuhe und eine lange Hose anziehen. Er waere zwischen den Autos schon ein paar Mal von Schlangen gebisssen worden und haette dann jeweils 45 Minuten Zeit gehabt, ins Krankenhaus in Adelaide zu kommen. Selbst wenn man das Gegengift rechtzeitig bekommt, bleibt man einen Monat im Bett und hat ziemlich schlechte Laune.

Einen Vanette haben wir nicht gefunden, aber er zeigte mir im Vorbeigehen einen anderen Van, der vorne ziemlich viel Verformungsenergie aufgenommen hatte: "We had to pull out the front of this one with a winch. Two asian blokes died in here, they crashed into a truck with a hundred k". Als ich anmerkte, dass gar keine Blutflecken auf den Sitzen sind, sagte er, dass saemtliche Flecken von Unfaellen nach ca. zwei Wochen komplett verschwunden sind. Bis dahin riecht es wohl auch ein bisschen, aber das stoert ihn nicht mehr.



Weil ich also in Port Wakefield leer ausging, habe ich Adelaide dann GTA-Style erkundet. Zuerst ging es zur Autowerkstatt, um nach einem Schrottplatz und einem Wheel-Alignment zu fragen. Schliesslich wurde es hier langsam regnerisch und mir fehlte eine Scheibe. Fuer letzteres empfalh man mir eine Werkstatt 100m weiter, fuer ersteres gab man mir eine Hotline-Nummer; als ich anrief, einigte ich mich mit der Dame, dass ich ein "Right-Hand-Side-Wind-Up-Window Nissan Vanette 92" suchte. Selbiges sagte sie dann in ein Funkgeraet und wartete 10 Sekunden auf eine Antwort. Wie ich spaeter herausfand, sind naemlich alle 80(!) Schrottplaetze in Adelaide mit Funkgeraeten ausgestattet.

Als keiner antwortete, fragte ich die Frau was sie denn nun an meiner Stelle tun wuerde. Das ist immer eine Super-Frage, habe ich gelernt. Es gaebe da noch eine andere Hotline. Angerufen, nannte man mir nach 2 Sekunden ohne Funk-Rueckfrage eine Nummer - die sollten die Scheibe haben. Eine unfreundliche Stimme bot mir eine Frontscheibe zum Wucherpreis von 80 Dollar an, bis um halb Fuenf sollte ich am entlegenen Schrottplatz vorstellig werden, denn er muesste sie ja noch ausbauen.



Na, da hab' ich ja noch Zeit fuer ein Wheel-Alignment. Bei Jack Baker Tyrepower traf ich auf einen wirklich atemberaubend netten Herrn namens Adam. Das Wheelalignment kostet 50, aber erstmal sollte ich das Spiel (=slop) aus dem Lenkrad entfernen lassen. Wahrscheinlich sei meine steering-column locker, die muss man erstmal wieder festschrauben. Also rief er fuer mich jemanden an und zeigte mir seine Werkstatt auf der Karte. 15 Minuten spaeter traf ich auf Mark, einen grummeligen Standard-Automechaniker, der sich mei Auto sofort ansah. Waehrend ich das Lenkrad innerhalb des Spiels hin- und herbwegte, drehte er eine Schraube am Lenkzylinder fest. Fertig.







Zurueck bei Adam versuchte der, seinen momentanen Auftrag auf einen Kollegen zu verschieben. Weils nicht ging, fragte er mich entschuldigend, ob ich nicht am naechsten Morgen wiederkommen koennte. Klar.



Um viertel vor Fuenf schlug ich dann beim Schrotthaendler auf und hatte Glueck, weil er noch eine ausgebaute Scheibe fand. Sonst haette ich am naechsten Tag wiederkommen muessen, sehr nervig. Der Typ war zwar ein Spacken, aber ohne Scheibe bei Regen schlafen wollte ich nicht.



Zweihundert Meter weiter hielt ich neben einem Fluss. Gummidichtungen abziehen, Kurbel und Oeffnungsgriff abbauen. Dann Tuerverkleidug abziehen. Nichtvorhandenes Fenster nach oben kurbeln ging, seine zwei Schrauben loesen ging nicht, weil die Dinger festgerottet waren. Scheisse. Weil mir jetzt eine Kack-10er-Nuss fehlt, kann ich die Scheibe nicht einbauen. Und Automechaniker machen allesamt um 5 Schluss.



Also fuhr ich durch Adelaide, um einen ueberdachten Schlafplatz zu finden. Und siehe da, eine rutergekommene Hinterhofwerkstatt hat noch geoeffnet. Ein indisch anmutender Typ holt eine Taschenlampe und einen Schraubenschluessel.



Zehn Minuten spaeter montiere ich meine neue Seitenscheibe unter den Lichtern eines geschlossenen Spirituosenladens und freue mich.



Am naechsten Morgen lade ich die Karre bei Adam ab und latsche durch die Stadt, um Internetcafes zu betruegen. Eine Stunde spaeter soll ich wieder da sein, nach zwei Stunden sehe ich Adam immer noch unterm Auto schrauben. Die Schraubverstellung der Lenkstange war festgerottet, die musste er erst mit Karamba und einem Bunsenbrenner loesen.



Ausserdem fehlt dem Auto (wie vielen Vans) die Schraube, um die X-Beine zu korrigieren; somit wird die Karre bis zum Ende ihres Lebens Reifen fressen. Ausserdem konnte er eine Lenkstange nicht weiterschrauben weil das Gewinde zu Ende war, somit zieht die Karre jetzt immer leicht nach links. Und dann wollte er fuer gute zwei Stunden Arbeit 15 Dollar haben, also glatte €8.19672131. Protestieren nuetzte nichts, man kuemmert sich hier gut um Reisende. Vielen Dank, Adam.





Nun beschlich mich ein etwas ungutes Gefuehl. Ich hatte zwar viel von Adelaide gesehen, aber nicht das was man so in einem Reisefuehrer finden wuerde. Also fragte ich Adam nach Sehenswuerdigkeiten. Er ueberlegte lange und empfahl mir dann Blue Lake, einen Trinkwasserbergsee der zur Zeit gerade schoen Blau in der Sonne leuchtet. Toll, wo ist denn der? 400km suedoestlich bei Mt. Gambier, auf dem Weg nach Melbourne. Lustig.