Gestern bin ich von Queenstown in Richtung Milford Sound gefahren. Eigentlich hatte ich von einer 140m hohen Gondel in die Tiefe springen wollen, aber Aj Hacket Bungy war an dem Tag ausgebucht. Mal sehen, vielleicht mache ich das spaeter noch.
In der Zeitung wurden heute wenig technikaffine Menschen als "12:00 flasher" bezeichnet. Hat etwas gedauert, dann fand ichs lustig.
Luftlinie sind Queenstown und Milford Sound ca. 100km entfernt, aber man faehrt einen ziemlich irren Umweg, weil die passende Strasse fehlt. Kurz nach Abfahrt hielt Michael seinen Daumen raus. Er war gerade 1,5 Jahre in Australien und muss in einer Woche vor Gericht erscheinen, weil er sich zum Spass mit seinem Kumpel gepruegelt hat und dann verhaftet wurde - "playfight" nennt sich das. Eigentlich kommt er von der Nordinsel, ist bei Mount Manganui gross geworden. Frueher hat er auf einem Bauernhof gearbeitet und jungen Schafen Gummibaender um den Schwanz gebunden, damit der veroedet und abfault und die sich nicht immer selbst ankacken. Vor ein paar Jahren haben seine Eltern eine Schlachterei auf der Suedinsel gekauft, da hat er gearbeitet. Und jetzt kann er gutes von schlechtem Fleisch im Supermarkt unterscheiden - und natuerlich Tiere schlachten. Wuerd' ich auch gerne koennen.

Zuerst kommt Te Anau, eine kleine Stadt am See, an dem man prima Fotos schiessen kann. Und hier begegnet mir zum ersten Mal die Verwirklichung meiner neuseelaendischen Geschaeftsidee: Waschsalon und Internetcafe in einem. Waere doch praktisch, oder? Und so divers aufgestellt und somit krisensicher wie Mr. Minit.


Kurz hinter Te Anau habe ich auf einem Campingplatz uebernachtet und mich dort mit Paul, einem ca. 50jaehrigem Hippie unterhalten, der mit seinem Sohn unter einem Baum an Strand sass. Paul beklagte sich nach drei Saetzen offen darueber, dass er nicht surfen kann, weil er seinen Sohn dabei hat. Was fuer ein Penner. Der Campingplatz war aber echt schoen, jedes Foto ein Bildschirmhintergrund.


Am naechsten Tag gings an den Mirror Lakes vorbei weiter nach Milford Sound. Kurz vor Ende faehrt man durch den Homer-Tunnel. Die Ampel schaltet alle 15 Minuten um, weil der Tunnel nur eine Spur hat. Wenn man warten muss, kommen ziemlich freche Kea-Voegel, die einem die Gummidichtung aus der Tuer beissen und auch sonst tolle Tricks koennen. Man soll sie nicht fuettern.


In Milford Sound angekommen merkt man: da gibt es genau 1 Cafe, viele Parkplaetze und einen Anleger. Als der Stromausfall vorbei war, habe ich eine Karte gekauft und wollte zum Anleger fahren. Und ploetzlich sass Frieder am Strassenrand - er war ueber den Routeburn-Track zwei Tage von Glenorchy zum Milford Sounds gewandert, weil er noch 20 Tage auf der Suedinsel abzusitzen hat. Er musste Keas mit Steinen bewerfen, damit sie sein Zelt nicht anknabbern.

Zwei Stunden faehrt man mit dem Schiff durch den Sound und bekommt viele Sachen gezeigt und erklaert. Wie und warum welche Berge heissen, was Baumlawinen sind, dass an den Felsen gruen Kupfer, rot Rost und schwarz Muscheln sind.

Ausserdem gibt es Kaffee fuer lau - gut, weil ich ohne eingeschlafen waere. Zum Schluss bekommt man rote Regenjacken geliehen und faehrt dann unter einen Wasserfall - das klassische Werbebild des Milford Sound.

Und dann haben wir auch noch Delphine gesehen. Baeng!
Heute schlafe ich ein paar Kilometer vom Sound entfernt, noch vor dem Homer-Tunnel. Da gibts ein ziemlich verlassen wirkendes Gelaende einer Firma, die Hummer faengt und verarbeitet und ein echt runtergekommenes Haus mit Waschmaschine, Duschen und Telefon, wo die Guides des oertlichen Kayaksverleihs wohnen.
