Dienstag, 2. Dezember 2008

Im Regen...

... bin ich heute aufgewacht. Und das nervt ab, weil sich mein Zelt mit Regen nicht so gut auskennt. Es war zwar als wasserdicht beworben worden, aber wer 20 Euro dafuer ausgibt, sollte ahnen, dass damit kein richtiger Regen gemeint ist.



Also habe ich die ganzen nassen Sachen in die Fahrradtaschen geschmissen, das Zelt zusammengepackt und bin losgefahren in der Hoffnung, dass es irgendwann trockener wird.

Keine 200m spaeter hielt ich an einem Haus an, dass mir gestern schon aufgefallen war. Weil es riesig ist und fast nur aus Glaswaenden besteht.



Eigentlich dachte ich, es waere ein Cafe und Aussichtspunkt, aber als ich dort war sah man die riesigen Sofas und Flchbildfernseher, die Kueche etc. Wohl also nur ein Wohnhaus schwerreicher Menschen. Da man fast durchs ganze Haus sehen konnte und niemand dort war, ging ich hinters Haus, wo ich Steckdosen und Wasserhahn fand. Also zurueck zum Fahrrad, um Telefon und Flaschen zu holen.

"Hi!", sagte sie. "Oh, hey mate! Can I just fill up my waterbottles?"

Und schon sollte ich reinkommen, einen Kaffee trinken und warten, bis das Wetter besser wird. Gerne! Ihr Name ist Mareet, sie wohnt dort mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern, das Haus wird gerade noch gebaut. Wenn sie nicht da sind, wohnen sie in ihrem Haus in Fidschi, in Kanada und noch irgendwo. Sie handelt mit gebrauchten Diamanten. Wenn also ein Paar die Ratenzahlungen fuer den Ring nicht laenger zahlen kann, bekommt sie ihn und verkauft ihn an lokale Juweliere weiter. Mit Gewinn, wie's scheint. Ihr Auftreten ist allerdings gar nicht so, wie man sich das vorstellen koennte. Sie schien mir eine ganz liebe und ruecksichtsvolle Mutter zu sein und wurde etwas rot, als sie von ihrem vierten Haus berichtete.

Und als ich meine Karte rausholte und wir ueber schoene Orte auf der Nordinsel quatschten, sagte ich, dass ich (auf Befehl von Marie :) noch nach Coromandel muss. "Aber nicht mit dem Fahrrad, da brauchst Du Wochen! Ausserdem, mmh, das klingt jetzt bloed, aber, wir haben da ein kleines Ferienhaus, das koenntet Ihr haben! Aber nur bis zum 27. Dezember, ab da ist es vermietet..."

Marie, wir haben eine Unterkunft leicht oestlich von Coromandel.

Dann habe ich noch in ihrem Badezimmer geduscht. Es gibt natuerlich keine Duschwand, sondern der ganze Raum wird nass. Das soll aber so. Und die Badewanne steht im Raum wie Hawaii im Pazifik. Mit viieeeel Platz drumrum.

Nach herzlichstem Dank machte ich mich wieder in Richtung der 1, also der Hauptautobahn von Norden nach Sueden. Nach 8 Minuten kam ein schwarzer Sportwagen an mir vorbei, bremste, scherte nach links aus und blockierte mir den Weg. Scheisse, wer ueberfaellt mich denn jetzt? Mareet, ich hatte mein Telefon-Headset liegen lassen. "Och, das macht doch gar ncihts, ich muss eh grad die Kinder von der Schule abholen". Wow, ich bin ueberwaeltigt.

Der Regen hat aber leider nicht aufgehoert, und so bin ich von Mittags bis 7 Uhr Abends mit kurzen Hosen durch den Regen gefahren. Ich dachte, solange es obenrum warm und trocken ist, geht das schon klar.



Irgendwann wurde es dunkel und ich wollte es noch bis Cambridge schaffen. An einer Baustelle meinte man, das waere nur zwei Kilometer weiter. Nach einer halben Stunde parkte ich vor einem Haus.



Man kommt gar nicht zum klingeln, es macht meist vorher jemand die Tuer auf. Ich fragte, wie weit es noch waere.

S: "Twenny k. You're not gonna make it before it's dark, mate!".
Pause.
B: "Mmmh, any other place with a motel or campground around here"
S: Lachen. "Well, do you have accomodation in Cambridge, I could give yoa ride?!"
B: "Not really, but there's gotta be some motel there, right?"
S: "Well, maybe. Are you a psychopathic serial killer or sumphin?"
B: "Uhm, no. Are you?"
S: "Nah. Aight mate, my wife is gone tonight, so you'll just have to put up with both my dogs AND my cooking. Wheel it in!"

Das S ist Steve(n), er oeffnete die Garagentuer und liess mich das Fahrrad abstellen. Dann quatschten wir, er kochte Nudeln. Auf dem Weg vom Klo ins Wohnzimmer traf ich seinen Sohn, Evan. Der studiert "Communication", aber weder er noch Steven konnten so richtig erklaeren, was er da lernt. Lustig.

Steven arbeitet in der Milchindustrie, baut Anlagen zum homogenisieren etc. Sie erhitzen die Milch in einem Vakuum, weils da schon ab 60 Grad kocht. Tschlau. Dann assen wir Nudeln (lecker), tranken Bier (ging so) und sahen fern. Und unterhielten und darueber, dass "Moana" sowohl auf Hawaii als auch hier fuer See, Teich, Wasser steht. Er meint, vielleicht sind die Polynesier ja ein bisschen hin und her gefahren, bevor Captain Cook kam. Pickups heissen UTs (Utility Vehicle) und Fahrraeder heissen Pushbikes. Keine Ahnung wieso. Seine Frau ist war vor Jahren Hebamme, hat aber wegen der Buerokratie aufgehoert. Jetzt faengt sie wieder an und besucht irgendwelche Kurse, weswegen sie heute nicht da ist. Dazwischen hatten Sie einen Videoverleih. Da hatten sie eine Maschine, die CDs abschleift und neue Oberflaechen auftraegt, um Kratzer zu entfernen. Wusste nicht, dass es sowas gibt. Einmal musste die Polizei kommen, weil sich ein Irrer in der Pornoabteilung den Lachs poliert hat. Lustig.

Dann wurde mir das Bett der abwesenden Tochter zugewiesen. Steve wuerde am naechsten Morgen schon um 6 los muessen, aber Evan waere da. Ich koennte so lange pennen, wie ich will. Und wenn ich auf der Rueckreise wieder in der Naehe bin, solle ich mal wieder vorbei kommen.

Bitte was fuer ein Tag war das denn? Sowas koennt' ich mir in Deutschland nicht vorstellen.

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