Samstag, 20. Dezember 2008

Radiator

Heute sind wir von Ahipara am Ende des 90-Mile-Beach zurueck nach Auckland gefahren. Die Strasse dazwischen ist recht bergig und es war heiss. Und so dauerte es nicht lange, bis der Motor wieder heiss wurde.



Da Remi mir erzaehlt hatte, es waere voellig ausreichend, einfach Wasser ohne Korrosionsschutz in den Kuehler zu kippen, schwante mir schon Boeses. Zwei Abende vorher hatte mir Luke schon gesagt, so ein alter Nissan wuerde ewig halten ("have some trust, mate!"), wenn man ihn nur ordentlich pflegt. Also immer den Oelstand pruefen und Kuehlwasser nachfuellen. "Einfach nur Wasser?", fragte ich. "Nah, keep it nice and green!".

An der Tankstelle in Pakaraka hatten sie ein cooling system flushing liquid und anti-corrosive. Da haette ich den Motor aber mehrmals abkuehlen lassen und wieder aufheizen muessen. 20km weiter - in Kawakawa - gibt es aber einen Radiator-repair-guy namens Owen. Da koennte ich auch mal fragen. Das klang schon viel besser.

Owens Werkstatt war sehr klein und sah aus wie eine Schlosserei in der Nachkriegszeit. Drinnen lehnte ein riesiger Kuehler von einem Schwerlaster an der Wand und tropfte. Niemand da. Ein Nachbar sagte, er muesste gleich wiederkommen, denn solange die Tuer nicht zu ist, hat er auch noch nicht Feierabend. Marie ging einkaufen, ich wartete.



Keine 10 Minuten spaeter tauchte Owen auf. Ein echter Kiwi, bestimmt Ende fuenfzig und natuerlich sehr freundlich. Ich schilderte mein Problem, er sah in den Kuehler und zeigte mir den Rost. Da kommt wohl nicht mehr viel durch. Eigentlich haette er Feierabend, aber wir koennten das noch reparieren. Dauert zwei bis drei Stunden, kostet 150$.



Marie war wieder da und ueberlegte, ob sie zum Friseur gehen sollte. Perfekt. Also finden Owen und ich an, den Kuehler auszubauen, den die "bloody japs" ziemlich fest eingeschraubt hatten.



Anschliessend spannte er den Kuehler in seinen Deluxe-Schraubstock und schweisste die Kappe ab. Die war naemlich noch aus Metall und nicht aus Kunststoff, der nach ein paar Jahren bruechig wird. Gut. Dann steckte er einen Gartenschlauch in den Kuehler und man sah, dass nurnoch aus ca. 60% der Roehren Waser lief.



Er nahm eine Spiralfeder aus einem Rasenmaeher, die er vor einiger Zeit geradegebogen hatte und schob sie wie eine Flschenbuerste in jedes einzelnes Roehrchen. Dann erzaehlte er mir von seinen Abentuern in Deutschland, die sich auf das Oktoberfest beschraenkten. Vor ein paar Tagen war aber ein Deutscher bei ihm, der hat ihm noch zwei weitere Bier-Festivals auf eine Liste gechrieben. Ausserdem hat er ein grosses Boot und angelt damit nach Fischen in 300m Tiefe. 62kg wog der schwerste, den er je gefangen hat.



Dann erzaehlte ich von meinen Abenteuern und von den beiden Gesellen auf der Fahre. "You can pat yourself on the back, this has become quite a dangerous place", sagte er. Viele - gerade arme Maori - wuerden Touristen-ausrauben und Autos-stehlen heutzutage zu ihrer Kernkompetenz machen. Hui.

Eine Viertelstunde spaeter war das Problem behoben. Er schweisste den Kuehler wieder zu, wir bauten ihn ein und fertig. Das Hitzeproblem ist jetzt jedenfalls geloest.

Der ganze Stolz Kawakawas ist uebrigens dieses Hundertwasserklo:

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