Donnerstag, 1. Januar 2009

Wanaka

Gestern Abend hat mir Lesley, die Ironman-Laeuferin aus Auckland SMS mit Standardtexten geschickt. Ihr muesst naemlich wissen, dass sie fast jeden Tag entweder gute 100km Fahrrad faehrt, 30km laeuft oder 5km schwimmt. Manchmal auch zwei aus den drei Sachen. Ausserdem klettert sie gerne auf Berge und verschickt dann MMS, die ich aber nicht empfangen kann.

Da ihr Vodafone-Tarif aber auch unbegrenzte SMS beinhaltet, bin ich haeufig recht detailliert ueber ihre Vorhaben informiert. Das sieht dann z.B. so aus:

I'm off 2 tramp in Mt Apsiring 4 nxt 2.5 days. Ther r so many fun things 2 do here in wanaka. I hav lots planned 4 my stay here :-) Hav fun on T.crossing! Tschuess, lesley


Nachdem sie hoerte, dass ich mit einer kaputten Kupplung in Wellington festsitze, schlug sie vor, ob ich sie nicht vom 1.1. bis zum 5.1. in Wanaka besuchen moechte. Der Flug kostet 850$. Wie waers denn, wenn sie 650$ und ich 200$ zahlen wuerde?

- "Ich glaube, Du bist ein bisschen irre", sagte ich ihr am Telefon.
- "Yeah, well, I'm a kiwi :) Come on, thats just another random turn in your trip, isn't it?"
- "Lesley, thats incredibly nice, but, I'm already screwed, need to pay at least $450 for my clutch. I can't, seriously".
- "Oh, ok. Well, maybe thats better, 'cause I should really pay off my debt anyway."

Sie hat sich naemlich ein Rennrad fuer 8000$ gekauft, dass noch nicht ganz ihr gehoert. Spaeter rief sie aber nochmal an. Das Problem war, dass der 1.1. der Todestag ihres Vaters ist. Der hat ihr immer erzaehlt, sie soll ihr Bafoeg abbezahlen und bloss sparen. Dann hatte er eines Tages Krebs und ihr empfohlen, bloss das Geld aus dem Fenster zu werfen und wie ein Rockstar zu leben.

Aus dieser emotional eher instabilen Lage heraus verbesserte sie das Angebot nicht nur dahingehend, dass sie alles und ich nichts zahle ("thats only two days worth of pay anyway, come on!!"), sondern sie bediente sich auch der emotionalen Erpressung. Wenn ich nicht kaeme, blahblahblah, und ihr Vater. Und ausserdem muss ich mir unbedingt Mount Dingsbums ansehen, der Ausblick ist so toll. Und wir koennen Laufen gehen.

Ich sagte, ich muesste mir das mal alles ueberlegen und wuerde sie zurueckrufen. Bloss schnell auflegen!

Also, was jetzt? Bis zum 5.1. in Wellington haengen und auf offene Laeden und Werkstaetten warten? Oder mit einer hoechst ortskundigen Frau mit einer Lebensenergie wie Spongebob 4 Tage Wanaka erkunden?

Wie Raymond Davey sagte: "If you want normality, don't travel."

Also zurueckgerufen und zugesagt. 19 Minuten spaeter hatte ich eine SMS mit den Flugdetails, am 1.1. um 13:55 gehts von Wellington nach Queenstown.





Somit habe ich die Suedinsel wider Erwarten zum ersten Mal nicht von der Faehre, sondern aus der Luft gesehen:



In Queenstown angekommen ging es nach einer Stunde mit dem Bus weiter nach Wanaka.



Dann hab' ich sie getroffen und wir sind nach einem Kaffee noch eine Dreiviertelstunde auf einen kleinen Berg (Mount Iron) geklettert, so dass man Wanaka von oben sehen konnte.





Die Gegend ist wirklich schoen, weil einfach so wunderschoene Berge ins Wasser fallen. Ohne Strand oder Ufer, einfach so. Huebsch.

Gute Nacht.

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