Liegt natuerlich daran, dass in Coober Pedy Opale im Boden liegen. Die hat man auf einer Tiefe von ca. 10m zwar weitestgehend ausgegraben, aber die Loecher gestopft hat dann niemand. Und so kommt es, dass mehrere Touristen nun querschnittsgelaehmt oder tot sind. Denn da unten hoert einen keiner.
Also fahre ich lieber weiter und finde eine ziemlich kleine und staubige Stadt, die sich dem Ostermontag weitestgehend hingegeben hat. Weil mein Auto quietscht und aus den Reifen schon die Metaldraehte rausgucken, suche ich irgendeinen Automechaniker, der geoeffnet hat. Und finde einen, wie cool!
Ein Herr Ende Sechzig steht an seinem Schuppen und passt auf einen Reifen auf, neben ihm stehen ein Dicker und ein Duenner. Ich parke, steige aus und naehere mich den dreien, da sagt der Alte:
<voice accent="german">Wott haeppent to jur kar?</voice>
"Jackpot!", denke ich mir und sage "You're Peter! From Ploen!". Dick und Duenn gucken Peter an, der sich eine Sekunde Auszeit goennt. "Yeah", bestaetigt er. Ich berichte, dass ich zwei huebsche junge Damen traf, die mir den Deutschen in Coober Pedy empfoheln haben. Die drei lachen. Der Dicke sagt "Peter just told us about'em!" und der Duenne "Why does always the old fart get to meet 'dem young chicks?!".
Volltreffer. Ich verbruedere mich also mit den dreien, dann muessen Dick und Duenn los. Mit Peter sabbel ich noch eine Weile, dann schaut er sich meine Reifen an und behauptet, ich waere damit keine 100km weiter gekommen. Ich frage, ob er grad Verkaeufer oder Gutachter ist, begreife dann aber, dass er das ernst meint. Ein 185R14er kostet bei ihm 115$, fuer mich kann er $100 draus machen. Aber erst morgen. Spur einstellen tut er nicht, aber sein Mechaniker kommt morgen, sonst der gegenueber und der einen Schuppen weiter.
Was ich heute noch so machen kann? Die Remarkables im Sonnenuntergang fotografieren, sagt er. Ach ne, mit den Reifen kommst Du da nicht mehr hin. Geh' doch Pommes essen im Fish'n'Chips da hinten. Ja geil alter!
Am naechsten Tag finde ich auch keinen besseren Preis und fahre schnell zur alten Mine, weil sie da die Geraete demonstrieren, mit denen noch heute gearbeitet wird. Erschreckend, womit die sich kaputtschrubben.
Es gibt ein paar kleine Bohrmaschinen und einen grossen LKW, der als Staubsauger dient: Ein Motor auf der Ladeflaeche saugt Luft durch ein grosses Rohr aus der Mine in eine Tonne. Die grossen Stuecke bleiben drin, der Staub geht weiter bis zum Ventilator. Geht der aus, stirbt der Unterdruck in der Tonne, eine Klappe oeffnet sich mit der Schwerkraft und der grosse Dreck faellt auf den Boden. Dann koennen Kinder in dem Haufen nach Opalen suchen, die der Typ unten uebersehen hat. Das nennt sich "noodle"n, und hinten auf der Tonne steht "NO NOODLING!"
Anschliessend schaue ich mir noch eine alte Mine an. Das Klima in 7m Tiefe ist deutlich besser als oben, und trotzdem ueberrascht, das deswegen noch heute Leute in solchen Hoehlen leben.
Das Museum hat ein wenig mehr Platz als Coober Pedy Geschichte, deswegen erfaehrt man auch was ueber Australiens Glasfasernetzwerk und den oertlichen Golfklub: Bei Eintritt bekommt man ein Stueck Kunstrasen, dass man vor jedem Abschlag zwischen Ball und Wueste legt. Vor ein paar Jahren haette es mal geregnet und in Folge waere Gras gewachsen. Kurzerhand bildete sich eine Gruppe Einwohner, die die Rasenfleck auf dem Golfplatz beseitigt haben. Schoen irre die Jungs.
Danach gehts wieder zu Peter, aber der faehrt gerade zum Mittagsschlaf. Der Duenne vertritt ihn und wechselt Schlappen im Akkord. Peters Laden ist naemlich eigentlich ausschiesslich ein Reifencenter, was in der hiesigen reifenfeindlichen Umwelt wohl recht lukrativ ist. Ich leihe mir einen Wagenheber und wechsele einen Reifen gegen den Reservereifen, den anderen baue ich ab.
Weil der erste Werktag nach Ostern ist habe ich also reichlich Gelegenheit zu lernen, wie man Reifen von der Felge holt, die Felge reinigt, das Ventil wechselt und neue Reifen aufzieht. Der Duenne heisst Mick und wir kommen ins Gespraech. Er raucht Kette und nach der Arbeit auch mit Extras. Sein Haus ist nur 50m entfernt, da zieht er mit seiner Freundin eine 10jaehrige Cousine gross. Weil Peter mir erzaehlt hat, dass Mick sein Computerfachman ist, frage ich ihn, wie schnell hier ein Internetanschluss ist und loese damit einen Wutausbruch in Richtung Telstra aus:
A month ago they called me: "We noticed you've been using your cellphone a lot more than usual lately. We'd recommend another plan for you which would be quite a bit cheaper!". I told'em "that's because you people won't fix my bloody landline, the phone's been dead for weeks!".
Lustig. Dann erzaehlt er mir von seinem 8MBit DSL-Vertrag, der aber nur 1,5MBit liefert. Bei Telstra angerufen sagt man ihm, der DSL-Uebergabepunkt waere wohl sehr weit von seinem Haus entfernt, da koenne man nichts machen. Mick's Adern kommen auf Betriebsdruck und er schreit in den imaginaeren Hoerer "I could throw a fuckin' rock into your bloody exchange, it's right across the street!".
Jetzt sind wir natuerlich schon fast Brueder und er schenkt mir eine Blinkerlampe und bietet mir eine Cola an. Nachdem ich erstere montiert habe, erwische ich ihn mit einer 600mL-Tuetre Milchkaffee, die ich schon seit Wochen auf Werbeplakaten sehe. "Yeah, I live off this stuff, it's bloddy awesome! In this state, it outsells Coca Cola three-to-one! Coca Cola has even created its own iced coffee to compete, but it's shit". Er schenkt er mir eine Tuete (also, Eiskaffee) - gar nicht schlecht!
Dann baut er meinen Reifen zusammen und ich schraub' ihn an. Peter ist inzwischen wiedergekommen, sein Mechaniker meldet sich aber nicht. Der sollte eigentlich meine Spur einstellen, und so erkundige ich mich, ob ich das bei dem Mechniker gegenueber fuer $60 machen lassen sollte. "You mean Adam-the-Asshole?" platzt Mick dazwischen. Nein, lieber bis Port Wakefield warten, da gaebe es laut Peter auch einen grossen Schrottplatz mit einem neuen Fenster fuer meine Buechse.
In einem ruhigen Moment quetsche ich dann noch Details aus Peter. Er ist in Ploen gross geworden, hat dann in Hamburg gearbeitet (damals haette man eher in der Steinstrasse gefeiert). Den Kiez gabs auch, aber das war mehr fuer Auslaender: besonders Daenen seien auf den Bier-fuer-50-Mark-Trick in dunklen Kneipen mit dunklen Speisekarten reingefallen.
Eines Tages wollte er dann auswandern, entweder Australien oder Schottland. Und wenige Wochen spaeter war eine Anzeige in der BILD: "Australien brauch Euch!". Somit war alles klar - fuenf Wochen haben sie auf einem Schiff Richtung Perth gewohnt und sich betrunken. Kurz vor Sydney hiess es dann "In Sydney alle raus!" und so schweisste er dort jahrelang Heizkessel. Irgendwann kam jemand aus Coober Pedy und bat ihn, irgendein Mineninstrument zu schweissen, seit dem ist er da.
"Frueher war es hier viel besser, da waren wir Maenner hier noch fast allein und haben gearbeitet. Da lag das Geld im Restaurant einfach so aufm Tisch. Und die Frauen und Familien waren noch nicht nachgezogen, da kamen jedes Wochenede die Huren aus Adelaide hier rauf. Oach, das war so schoen!". Irgendwie habe ich ein Talent, Menschen ueber 40 praekaere Details zu entlocken.
Vor 20 Jahren haette er nochmal Ploen fuer sechs Wochen besuchen wollen, aber er hat auf der Strasse keinen mehr erkannt. Erst auf dem Friedhof hat er seine Freunde wiedergefunden; deswegen ist er schon nach drei Wochen abgereist. Ich war den Traenen nahe, er schien weniger beruehrt.
Dann fragte er, ob er nicht nochmal mein unscharfes Bild von den beiden deutschen Maedels sehen duerfte. "Du heisser Hund, Peter!" - "Je oller, je doller, weisst Du doch!".
Mates for life :)