Melanie ist eine 35jaehrige Gefaengniswaerterin in Kanada, mit der ich im Gemeinschaftsraum ins Quatschen kam. Sie ist ein bisschen schrill aber sehr nett, und Knastgeschichten sind natuerlich auch super.
Andreas ist der, den ich fuer Arne gehalten habe. Klang irgendwie daenischer. Er hat 5 Jahre auf seine Weltreise gespart. In diesen 5 Jahren hatte er drei Jobs als Kindergaertner, Aushilfslehrer und Kellner. So hat er jeden Tag 10 bis 15 Stunden gearbeitet. Als ich ihn meinem Schlafraum traf, kam er gerade aus den USA, wo er drei Monate mit seinem Ford Mustang rumgefahren ist.

Jedenfalls sind wir ca. eineinhalb Stunden mit dem Bus nach Pearl Harbor gefahren. Busfahren auf O'ahu nervt tierisch. Es kostet zwar nur 2$, dafuer dauert es tatsaechlich fuenfmal so lange wie mit einem Taxi. Da Schlimmste ist, dass jeder Einheimische die benoetigte Zeit um jenen Faktor Fuenf unterschaetzt. Im Hostel ist es daher gaengig, von Hawaii-Minuten zu sprechen. Das zweitschlimmste ist die Tatsache, dass hinten im Bus eine Klimaanlage bis an ihre Grenzen schuftet, um den Bus auf frische 15 Grad zu kuehlen. Meistens schafft sie es, so dass man fuer einen Ausflug immer noch einen extra-Pulli mitbringen muss.
Im Bus kamen wir mit einer Einheimischen ins Gespraech, die uns erzaehlt hat, dass die ganze Insel zum Apple-Store geht, wenn sie ins Internet will. Geile Idee, habe ich gleich Abends ausprobiert. Funktioniert ganz gut, nur man hat keine Zeit und Ruhe, einen Text zu schreiben und keine Moeglichkeit, die Kamera anzuschliessen. Taugt also nur zum Emails schreiben.
In Pearl harbor angekommen, haben wir uns die Memorial Site der USS Missouri angesehen. Zuerst gibt man ALLE Taschen (sogar kleine Kamerataschen) ab. Department of Homeland Security, Dein Wille geschehe. Dann schaut man sich in einem kleinen Kino die Geschichte zu Pearl Harbor an. Der Film dauert ca. 15 Minuten, der Inhalt reicht aber nur fuer ungefaehr fuenf. Den Rest der Zeit erzaehlt eine Frau - immer kurz davor, loszuheulen - davon, wie tapfere Marines selbstlos ihr Leben gaben, um die Welt zu retten. Beim Angrifff wurden viele grosse Schiffe versenkt, und eines davon - die Missouri - hat man nicht verschrottet, um aus dem Stahl neue Boote zu bauen, weil 1177 Menschen darin liegen.


Deswegen faehrt man mit einem Boot 4 Minuten zu einem kleinen Haus, das direkt auf der Missouri gebaut wurde. Das Schiff liegt so flach im Wasser, dass ein Kanonenturm rausguckt.

Man hat ca. 15 Minuten Zeit sich die Namensliste der Toten, Schrifttafeln, oder das immernoch auslaufende Oel anzusehen, dann geht es zurueck ans Land. Wer dann noch Zeit und 30$ hat, kann sich die USS Bowfin ansehen, ein UBoot aus dem zweiten Weltkrieg. Ausserdem liegt die USS Arizona vor Anker, darauf hat der Japanische Chefkaiser (Hirohito?) damals die Kapitulation unterschrieben. Wir hatten aber keine Zeit, weil ab 1430 keine Leute mehr eingelassen werden. Stattdessen sind wir durch ein Marine-Museum gegangen, das amerikanische Nuklear-, japanischer Selbstmordtorpedos und Interkontinentalraketen ausgestellt hat. Fuer jemanden, der an jeder Baustelle anhaelt und sich die Maschinen anglotzt, ist das natuerlich hochinteressant...
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