Mittwoch, 19. November 2008

Big Island

Am Montag Abend nach Jacks Tour habe ich mir zusammen mit Andreas ueberlegt, dass wir uns Big Island ansehen sollten. Die Insel ist ungefaehr drei Mal so gross wie O'ahu und es finden sich insgesamt 11 von 13 Klimazonen. Nein, Herr Juds, ich kann sie nicht mehr aufzaehlen.

Problematisch ist, dass es keine Busse oder Bahnen gibt, auf der ganzen Insel wohnen auch nur 100.000 Menschen. Man muss also hinfliegen, sich ein Auto leihen, irgendwo schlafen und dann wieder zurueckfliegen. Ausserdem war unter iflygo.com kein Flug am naechsten Tag mehr buchbar und spaeter ging auch nicht, weil Andreas am Freitag nach Fidschi fliegt. So haben wir direkt bei go angerufen und gerade noch zwei Plaetze fuer den naechsten Morgen (Dienstag) um 0720 buchen koennen. Der Rueckflug wuerde am Freitag um 0820 sein, weil Andreas sich noch Honolulu ansehen wollte.

Ein paar Minuten spaeter trafen wir in der Rezeption auf David aus Italien, der auch Lust hatte, mitzukommen. Da wir im Auto schlafen wollten, planten wir einen Minivan/SUV ein und gingen ins Bett.

Um 0445 Uhr morgens hat uns ein Shuttle abgeholt und eine Stunde lang mit vielen Stops zum Flughafen gefahren. Der Fahrer war sehr stolz auf seinen Beruf und berichtete uns (um 5 Uhr morgens!) ueber die Lautsprecheranlage des Busses von seinen Taetigkeiten: "I am a specially licensed driver. When we see trouble on the highway, we stay in close contact to the local authorities and report everything we see. Once a year, we make a special driving safety training, and after that, we watch a three-hour-video about security. Terrorists are everywhere. If you see something strange, tell us. Its better to have us take care of the terrorists right now than you having to deal with them in the sky". Danke.

Nach ca. 40 Minuten Flug landeten wir auf einem winzigen Flughafen in Hilo, Big Island. Wir fragten bei ca. 4 Autovermietern nach Preisen, alle kamen auf ungefaehr 500$ fuer drei Tage incl. Versicherung. Aua. Andreas hatte noch den Hinweis bekommen, bei Enterprise und Harper's anzurufen, deren Fialialen nicht am Flughafen sondern in Hilo lagen. So holte uns ein Shuttle ab und brachte uns zu Enterprise, wo wir einen Minivan fuer 360$ bekommen sollten.



Seit Anfang meiner Reise habe ich ca. 4 Anrufe bekommen, bis auf einen alle um 3 Uhr nachts. Da die Nummer unterdrueckt war, bin ich nie rangegangen. Bei Enterprise stellte sich raus, dass man 25 Jahre alt sein muss, um ein Fullsize-Auto zu fahren. Andreas fiel raus, weil er erst 24 war und David fiel raus, weil er vor ein paar Monaten mir 1,6 Promille erst eingeschlafen und dann in ein italienisches Fabrikgebauede gefahren war. Dabei hat er aber nur sein Auto und seinen linken Unterarm kaputtgebrochen. Fuer diesen Vorfall entschuldigte er sich bei uns vor den Augen von James (dem Enterprise-Mitarbeiter) ausfuehrlich. Da der Fahrer und der Kreditkarteninhaber die gleiche Person sein mussten, musste ich also meine Kreditkarte benutzen. Diese 4 Anrufe waren aller Wahrscheinlichkeit von der Commerzbank, die zum ersten Mal Umsaetze auf meiner Kreditkarte - und dann auch noch im Ausland - gesehen hat. Da ich nicht ans Telefon ging, haben sie die Karte gesperrt und ich konnte keinen Minivan mieten.

Passte mir eigentlich ganz gut, weil ich schon unsere beiden Fluege gezahlt hatte. Bloed war nur, dass die einzige Moeglichkeit darin bestand, dass Andreas ein kleineres Auto mietet. Wir hatten ja geplant, dass wir alle in dem Auto schlafen wuerden. Dann muessten wir nicht jeden Abend nach Hilo ins Hostel fahren und wuerden jeder 75$ sparen.

Wir bekamen einen 2009er Chevy Impala LT und die Auflage, nicht ueber Saddle Road zu fahren. Die ist naemlich teilweise nicht asphaltiert und geht steil bergab. Da laut James die Leute die Automatik nicht in low-gear schalten und mit dem Motor bremsen, muessten sie sonst alle paar Wochen die Bremsbacken tauschen. Ausserdem durfte nur Andreas fahren.

Um 11 Uhr fuhren wir in fiesem Regen los und kauften bei Walmart ein (das Wetter auf Hawaii ist naemlich unberechenbar. Mal regnet es in Stroemen, zwei Minuten spaeter brennt die Sonne. Oder beides gleichzeitig). Andreas war zwar Monate in Amerika unterwegs, aber nie bei einem Walmart gewesen. Deswegen musste es Walmart sein. Ich habe eine Gallone Milch, Blaubeerbagels, Vollkornbrot und Haferflocken gekauft, die anderen Kekse, Weissbrot und Schokososse. Das wird lustig.

Nach Walmart guckten uns Volcano Village an. Da gibt es einen riesigen Krater mit einem Loch, aus dem heisser Qualm austritt. Und zwar eine Menge. Steht der Wind richtig, riecht es in 5 Kilometer Entfernung nach Schwefel und die Sicht wird ziemlich schlecht. Dann gingen wir durch einen unterirdischen Lavatunnel. Das war echt gruselig, weils ohne Taschenlampe komplett dunkel war. Man hoerte nur Wasser plaetschern. Anschliessend machten wir eine 6,4 Kilometer-Wanderung ueber einen anderen Krater, aus dem auch vereinzelt heisse, feuchte Luft austrat. Sah der Mondlandschaft sehr aehnlich.



Abends fuhren wir schnell weiter um vor dem Sonnenuntergang bei Pohoiki zu sein, um anzusehen, wie Lava ins Meer fliesst und eine grosse Wolke mit Wasserdampf erzeugt. Leider waren wir ca. 15 Minuten zu spaet da, so dass man kaum noch Fotos machen konnte. Ausserdem stand man ziemlich weit vom ganzen Spektakel entfernt. Trotzdem war das wirklich beeindruckend, besonders wenn man bedenkt, dass das nie aufhoert. Big Island waechst.

Danach sind wir zum Black Beach nach Punaluu gefahren. Es war schon dunkel und wir wollten alle schlafen, waren ja frueh aufgestanden. Wir parkten 50m vom Strand auf einem einsamen Parkplatz. Als ich ausstieg sah ich einen unglaublichen Sternenhimmel, der fast an norwegische Verhaeltnisse herankam. Und natuerlich liess auch die erste Sternschnuppe nicht lang auf sich warten. Was ich doch fuer ein Glueckspilz bin!

Dann stellte sich heraus, dass man die Ruecksitze in einem Impala LT leider NICHT umklappen kann, so dass wir kurzfristig ziemlich dumm da standen. Kurze Zeit spaeter hatten wir all unsere Sachen auf den Fahrersitz gepackt. Andreas schlief auf dem Beifahrersitz, David auf der Rueckbank und ich? Im Kofferraum. Habe einfach die Lampe ausgebaut und einen Schuh zwischen Klappe und Auto gesteckt. Da es warm war, lag ich einfach auf dem Schlafsack, so dass es nichtmal unbequem war, obwohl ich nur entweder die Beine oder die Huefte gerade machen konnte.



Was fuer ein Tag.

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