
Auf der Suche fand ich dann gumtree und holidaycarclub im Internet - sehr angenehm, weil alles, was man auf Zetteln findet, eigentlich auch immer im Internet steht. Trotzdem muss man immer, wenn man ein Auto ansehen moechte, mindestens eine Stunde hin- und wahrscheinlich auch wieder zurueckreisen, denn Sydney ist gross und der OEPNV ziemlich schlecht.
Gleichzeitig suchte ich nach Mietautos und rief bei Alain an, einem Autovermieter mit fiesem franzoesischen Akzent. Er notierte kurz meine Wuensche und versprach, mich um 18 Uhr zueureckzurufen. Sekunden, nachdem ich um 22 Uhr mit Basti und seinen Freunden im hippen IV-Nightclub in runtergekommenen Turnschuhen wider Erwarten die Tuersteher passiert hatte, klingelte dann auch das Telefon. Alain hatte die Angewohnheit, ewig zu reden, sich dauernd zu wiederholen und dabei eigentlich nichts zu sagen. Ausserdem hatte er bloss einen Van ab naechstem Dienstag oder einen in Adelaide. Ersterer war uns eigentlich zu spaet, letzterer zu weit weg.
Nachdem ich ein paar Tage mit Alain verhandelt hatte, bot er an uns beide kostenlos nach Adelaide (Betonung auf dem letzten E) zu fliegen, um dort mit dem Van zu starten. Klang eigentlich nicht schlecht, waere aber trotzdem erst ab 1. Maerz moeglich gewesen und Theresa hat nicht so richtig viel Zeit zu vertroedeln.

Deswegen sind wir gleich am Samstag, nachdem ich Theresa morgens um 6 vom Flughafen abholte, nach Gosford gefahren, um einen Van fuer $1600 anzusehen. Nach ca. 90 Minuten in einem schwer unterkuehlten Bahnabteil trafen wir auf ein Paerchen, die uns das fertigste Auto der Welt praesentierten. Habe leider kein Foto, aber der Van war echt auf. Hatte wohl 100 Jahre einem Maler gehoert und ist dann vom Paerchen zum Reisen missbruacht worden. Das Ding stank, das Lenkrad bestand teilweise nur noch aus dem Metallring, er hatte nur vier Gaenge und klang beim Anlassen wie ein Karnevalls-Umzug. Danke, da lieber nochmal 90 Minuten in der Bahn. Wie schade.
Vorgestern Abend fand ich dann aber im Hostel den folgenden Zettel und rief an. Kev verkaufte seinen '92er Vanette fuer $2800. Aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass ich dieses Auto inziwischen ganz gut kenne. Gestern Mittag trafen wir uns auf einem Parkplatz und wir lernten Kev und seinen hustenden Ferund kennen. Beide waren erst so um die 20, schon seit drei Monaten in OZ unterwegs und brauchten Geld. So sahen sie auch aus.

Nissan Vanette 1992, 220tkm, diesmal mit 2 Litern, Klimaanlage und ohne Servolenkung, dafuer mit langem Radstand. Bei der Probefahrt quietschte mindestens einer der Keilriemen unglaublich laut und die Lenkung hatte ungefaher 20 Grad Spiel. Ich fuhr zu einem Automechaniker, der mich schlecht gelaunt an einen anderen verwies. Der andere heisst Alex und guckte sich das Auto etwas genauer an. Der Motor ist in Ordnung, aber die Ball-Joints (?) der Lenkung muessten ausgetauscht werden und das aus dem hinteren Differential auslaufende Oel muesste mal nachgefuellt werden. Ausserdem braucht die Klimaanlage Gas - alles in allem so um die 600$.

Alex wusste nicht, dass die anderen beiden die Verkauefer waren, und so sagte er uns ziemlich direkt, dass wir nicht mehr als $2000 fuer das Auto zahlen sollten. Davon beeindruckt verkauften die beiden uns das Auto fuer 2100 und ich machte einen Termin mit Alex fuer den naechsten Tag. Wir fuhren mit Kev und seinem Freund zur Zulassungsstelle, die von mir erstmal eine Adressbestaetigung haben wollte. Also auf zu irgendeinem Hostel, einen Tag bezahlt und mit deren Stempel zurueck zur Zulassungsstelle. Unterbrochen durch einen falschen Feueralarm ging dann alles gut - bis die freundliche Sachbearbeiterin $240 Registrierungsgebuehr haben wollte. Mir wurde schon gesagt, dass die Behoerde 3% des Kaufpreises plus irgendein Fixum als Gebuehr verlangt, deswegen hatte ich einen Kaufpreis von $1200 angegeben. Und meine verdammte deutsche 1 wurde natuerlich als 7 gelesen. Bui. Zum Glueck liess sich das noch richten und wir zahlten 60 Dollar.
Anschliessend ab ins Internetcafe und eine Versicherung finden. Gar nicht so einfach, aber jetzt fuehle ich mich fue 36$/Monat Third Parties gegenueber ausreichend abgesichert :)
Abends fand ich dann einen Platz, der so ein Bischen wie eine Auto-SB-Waschanlage aussah. Sowas zu finden war naemlich wirklich noetig. Bei naeherer Betrachtung stellte sich heraus, dass dort nur Taxis von einem Indonesier gewaschen wurden. Sehr viele Taxis. Als ich ihn fragte, ob wir unser Auto hier waschen koennen, winkte er uns nur rein. Kam mir komisch vor, weil ich kein Taxi fuhr. Ich fragte ihn, was es denn kosten soll, worauf er ausweichend antwortete. Er wuerde gleich anfangen, sobald er mit dem anderen Taxi fertig ist. Ok...
Theresa und ich raeumten das Auto auf und schmissen jede Menge Scheiss weg. Wir fanden zwei Bodyboards, Flossen, Geschirr, Isomatten, Zelte, Gasbrenner - was man halt so braucht. Und einen Fussball! Jippieh!

Dann winkte mich der Indonesier in den Waschparkplatz, steckte sich eine an und fing an, das Auto zu waschen. Als ich erneut versuchte, den Preis fuer seine Dienstleistung in Erfahrung zu bringen sagte er mit ganz selbstverstaendlicher Mimik
Don't worry 'bout it, you're on holiday! You can pay whatever you want.
Da hab ich's ja mal wieder schoen erwischt. Erst hat er das Auto abgekaerchert, dann mit einem Besen abgeschrubbt, dann die Felgen mit einer fiesen Chemikalie in den Glanz alter Tage zurueckgefuehrt, dann nochmal abgekaerchert, dann die Reifen mit diesem Zeug eingesprueht, dass sie so dunkel-schwarz-neu leuchten laesst. Anschliessend nahm er sich aehnlich akribisch des Innenraums an, bis ein Neuwagen vor uns stand. Irre.
Und dann wollte er kein Geld haben. Also bedankten wir uns. Herzlich.

Den naechsten Tag ab 8 Uhr hing ich in Alexs Werkstatt rum und verbruederte mich mit ihm - mit Automechanikern kann ich ja inzwischen ganz gut. Theresa war unterwegs um Waesche zu waschen - welch klassische Rollenverteilung. Da die Ersatzteile erst kurz vor 14 Uhr kamen, hatten Alex und ich viel Zeit zu quatschen und kleinere Probleme zu beheben. Das Auffuellen des Klimaanlagen-Gases dauerte etwas laenger, deswegen weihte er mich in seine Plaene ein, im naechsten Jahr das Mercedes-Museum in Frankfurt zu besuchen.

Ausserdem beschwerte er sich ueber Chinesen. Erst generell, dann darueber, dass sie bei der Einwanderung einen Zettel ihres Chefs im Fahrradladen vorzeigen und dann ein Zertifikat bekommen, dass sie 10 Jahre Erfahrung als Mechaniker haetten. Und dann koennen sie damit eine eigene Werkstatt aufmachen. Nicht so gut, sagte er.

Ausserdem erklaerte er mir das ziemlich komplizierte Konzept mit Australischen P-Nummernschildern fuer Fahranfaenger und erzaehlte, dass er in seiner Freizeit amerikanische Autos importiert und sie von links nach rechts konvertiert. Dabei wird - vom Motor abgesehen - so ziemlich alles unter der Motorhaube von der einen Seite auf die andere gespiegelt. Veranschaulicht hat er mir das an seiner halb-fertigen Corvette. Oh. Mein. Gott - das ist viel Arbeit.

Gegen Mittag kam Theresa wieder. Sie hatte die Waesche zu dem Waschsalon gebracht, der von mir 13$ fuer eine Waschladung haben wollte. Als sie ankam nahm ihr eine hoefliche Asiatin alles aus der Hand und sagte, sie solle mal in vier Stunden wiederkommen. Nach ein paar Stunden pennen im Park holte sie dann vier Waschladungen fein zusammengelegter Waesche ab und zahlte 20 Dollar. Mit Asiaten kann ich irgendwie nicht.

Nachdem unser Auto fertig war, fuhren wir los. Richtung Norden. Ueber die Harbor-Bridge, vorbei an der Oper.
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