Dienstag, 10. Februar 2009

Dusky Dolphins

Vorgestern bin ich von Christchurch nach Kaikoura gefahren, um mit Delphinen zu schwimmen. Die Deutsche und der Kanadier hatten mir auf dem Hotelparkplatz in Mount Cook erzaehlt, dass man sich das nicht entgehen lassen sollte.

Auf dem Weg, immerhin 200 Kilometer, habe ich einen alten Gueterzug ueberholt. An einem Bahnuebergang habe ich ihm dann aufgelauert und ihn eine Viertelstunde spaeter fotografiert. Obwohl ich zwei Meter neben den Gleisen stand, hat der Bahnfahrer mich freundlichst gegruesst und angelaechelt.



Anschliessend wollte ich den Zug wieder ueberholen und ein Video drehen. Habs aber nicht geschafft und aufgegeben, als ich eine grosse Menschenansammlung an der Hauptstrasse eines kleinen Dorfes sah. Wie sich herausstellte, fanden gerade die Schwimmmeisterschaften des oertliches Nachwuchses und ein Flohmarkt statt. Beides niedlich.





In Kaikoura angekommen (es war Sonntag) musste ich mir anhoeren, dass die Delphinausfahrten bis Samstag ausgebucht sind. Aua. Man koennte mich aber auf eine Warteliste setzen. Ein ander mal, danke.

Abends habe ich Zeitung gelesen und Pommes gegessen, danach ging ich ins Internetcafe. Fuenf Computer weiter sass mal wieder eine, die beim skypen den ganzen Raum zusammengeschrien hat. Und einen Rechner weiter sass Debbie Kohner aus Nordirland, die das genauso lustig fand wie ich. "I'd like someone to tell me", sagte sie. Dann war unsere Zeit ungefaehr gleichzeitig um und wir gingen quatschend raus. Sie wohnt bei einer alten Frau (homestay) in Kaikoura und hat einen Stand am Strand gefunden, an dem man prima Fisch essen kann. Ausserdem ist die Delphinausfahrt SUUUUPER, ich muss mich unbedingt auf die Warteliste setzen lassen. Und morgen zum Mittag mit ihr essen. Gebucht.

Ausserdem hat sie Friedensforschung studiert, und das find ich ja gerade ziemlich interessant, gerade weil sie aus Nordirland kommt. Ich hatte schon im Abel-Tasman-Prak im Wassertaxi ein Maedel getroffen, die in ihrem Bett lag, als das Flugzeug in Lockerbie 100m entfernt, aeh, landete. Da ich mich nur noch an das typische Lockerbie-Foto aus der Tagesschau erinnern konnte, setzte ich Lockerbie mit auf meine Lesen-Liste, gleich hinter Israel, Gaza, Westjordanland und der Opec.

Abends habe ich dann noch am Strand gestanden und weiter in meinem aktuellen Buch gelesen. Wie sich erst spaeter herausstellte, wird das Flugzeugattentat - neben fast allen anderen Greueltaten der Menscheit in den letzten 100 Jahre - darin auch thematisiert.



Am Strand wars zwar sehr schoen, aber leider zu feucht um mit offenen Fenstern zu schlafen, deswegen habe ich 10 Minuten landeinwaerts gepennt und am naechsten Tag nur abgehangen, weil niemand seine Delphinfahrt abgesagt hat. Lesen, Fotos zum Autoverkauf schiessen, Lesen, Fotos machen, schlafen.



Heute ist dann endlich jemand abgesprungen, so dass ich die 0830-Tour mitmachen konnte. Erst bekommt man Maske, Schnorchel, Flossen und einen Anzug, dann guckt man sich ein Video ueber die Delphine an.





Nachdem ein Bus die ca. 80 Menschen zu den drei Booten gebracht hat, faehrt man 25 Minuten auf die See, wo die Delphine schon warten. Mir wurde etwas flau im Magen. Sobald die Schiffsschraube stillsteht, tutet der Kapitaen und man kann ins Wasser.





Die Delphine sind wie aufgedrehte Kinder. Je mehr man paddelt, troetet, taucht und schwimmt, desto mehr schwimmen wie verrueckt um einen herum, drehen Kreise und springen aus dem Wasser. Nach knappen 10 Minuten wurde mir dann entgueltig schlecht und ich bin aufs Boot zurueckgeschwommen. Der Guide laechelte, gab mir einen Eimer, einen Ingwerkeks und sagte, "haven't had breakfast, ey?". Stimmt.



Die naechste Stunde war nicht so schoen. Habe erst das unvermeidliche durch den Ingwerkeks herausgezoegert (und ich hasse Ingwer), nur um danach dann doch in die Schuessel zu rufen und zu warten, bis wir wieder anlegen. Dann habe ich geduscht, bis es schrumpelig wurde und hab' mich wieder nach Christchurch aufgemacht.

Andere liefen nach der Tour rum wie Spongebob und waren voellig begeistert, WIE. TOLL. DENN. DIESE. DELPHINE. waren. Ich fands auch ganz nett und interessant, aber so richtig umgehauen hats mich nicht. Naja.

Achso, und Debbie hab' ich auch noch getroffen. Der Fisch war ziemlich kalt und wenig, aber sie hat mir den Nordirland-Konflikt "in a nutshell" erklaert. Habe ca. 70% davon verstanden, weils ziemlich kompliziert ist. Es kaempfen naemlich nicht zwei, sondern drei Parteien gegeneinander. Und waehrend ein paar "Terroristen" von damals nach ein par Jahren Gefaengnis heute hin und wieder zu Gast in der Downing Street 10 sind, sitzt der angebliche Flugzeugbomber immernoch im Knast und stirbt gerade an Krebs. Hui. Da die "Lockerbie-Boys" lange Zeit in Libanon lebten, werde ich darueber aber sicherlich auch noch mehr zu lesen bekommen.

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