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Donnerstag, 6. November 2008

Seattle!

Dienstag Nacht, als ich schon schlief, kam Paul ins Zimmer. Paul ist ein 61 Jahre alter Kanadier, der seit 43 Jahren reist. Und er wollte, dass ich das weiss. Und was er von Kanada, Amerika, Suedostasien und anderen alten Menschen haelt, sollte ich auch wissen. Letztere sind naemlich alle fett, krank und ohne Energie. Und sie sterben an Krebs. Er aber reist froehlich durch die Welt und besucht all seine Freunde. Wie schoen fuer ihn.

Auf jeden Fall war er schon oefter in Vancouver und meinte, ich solle mit dem 250er Bus zum Horseshoe Bay fahren und dort die BC Ferry nach Langdale und wieder zurueck fahren. Zusammen wuerde das keine 20$ kosten und ich waere puenktlich wieder da, um mit der Amtrak um 1730 nach Seattle zu fahren. Den Greyhound-Bus sollte man auf alle Faelle vermeiden, sagte er ("Oh myy, goooood, its soooo crowded"). Paul, das mache ich!

Horseshoe Bay ist ein echt huebscher kleiner Faehrhafen, und wenn man zwei Stunden auf die Faehre wartet, hat man genug Zeit, alles anzusehen. Die Fahrt auf der Faehre war echt schoen, die Landschaft und das Klima erinnern mich an Norwegen. Man legt ab und ist sofort von kleinen Inseln, grossen Felsen und ziemlich frischem Wind umgeben. Sehr huebsch.



Danach hab' ich schnell meinen Rucksack aus dem Hostel abgeholt um mit dem Bus zur Pacific Central Station zu fahren. Die Busfahrerin, mit der ich alleine im Bus sass, hatte "verbal diarrhea", wie sie selber sagte. Also musste ich mir die Geschichte ihrer Familie, besonders die ihrer Tochter und deren Vater anhoeren. Mein Englisch ist inzwischen so schlecht, dass es einer entspannten Konversation im Wege steht. Naja, die Busfahrerin hats nicht gestoert.

Nachdem ich durh die US Immgration war, stand ich vor einer echten Amtrak. Das ist ja ein riesiges, zweigeschossiges Monster! Unten geht man rein, lagert sein Gepaeck und kann sich umziehen(!), oben sitzt man. Und das ziemlich weit von einander entfernt. Zuerst gehts ueber eine kolossale Bruecke ueber einen entsprechend grossen und angeblich 169 Meter tiefen Fluss, dessen Namen ich vergessen habe (Frasier river oder so?). An der Grenze zu Amerika wird kurz angehalten und die Border Patrol kommt mit einem Hund durch den Wagon. Leider war es draussen schon dunkel, deswegen habe ich nicht allzu viel gesehen. Ankommen in Seattle kommt man jedenfalls neben der amazon.com-Zentrale.

Beim Aussteigen quatschte mich noch kurz ein Amtrak-Mitarbeiter an, der sich - wie irgendwie jeder - ueber Obama als neuen Praesidenten freute. Der wuesste die Amtrak naemlich noch zu schaetzen, waehrend McCain sie abschaffen wollte. In den drei Tagen nach 9/11 war Amtrak naemlich die einzige Moeglichkeit, ohne Auto zu reisen!!1!

Am Informationsschalter war leider niemand mehr, und ich wusste nicht, wo das von Paul empfohlene Hostel ist. Schon in Kanada gab es an wirklich jeder Strassenecke mindestens 10 WLANs, meist auch ein offenes. Gerade in der Naehe von Restaurants und Coffeeshops ist eigentlich immer was zu finden. Also wartete ich neben McCoy's Fireplace darauf, dass Herr GPS sich selber findet und tippte "Green Tortoise Hostel" in den Stadtplan. Der Punkt erschien keine zwei Kilometer entfernt, und eine halbe Stunde spaeter hatte ich einen Schlafplatz. Wie cool ist das denn bitte? Ich buche nie wieder was im Voraus!
In Seattle selber regnet es eigentlich den ganzen Tag. Bin ein bisschen rumgelaufen bis die Schuhe nass waren, aber so richtig was Besonderes hat die Stadt nicht. Ich denke mal, ich werde mir die Space-Needle nochmal genauer ansehen, wenn ich sie finde. Auch ohne Navigation sind nordamerikanische Staedte eigentlich ganz einfach. Das Hostel liegt in der 2nd Avenue, wenn man also in der 7th ist, weiss man recht schnell, in welche Richtung man gehen muss. Ist man dann auf der zweiten, findet man die richtige Hoehe eigentlich automatisch. Erinnert mich an Herrn Minkowski und seine Manhattan-Metrik.
Das Green Tortoise kostet 36$ die Nacht, in Vancouver waren es immerhin 26$. Das ist ganzschoen viel, wenn man jede Nacht schlafen moechte. Ich glaube, auf Hawaii kaufe ich mir ein Zelt, angeblich kann man da fuer 1$ die Nacht fuer maximal 3 Tage campen. In Neuseeland gibt es die Moeglichkeit, 2 bis 3 Stunden am Tag auf einem Bauernhof zu arbeiten und dafuer dort essen und schlafen zu koennen. WWOOFing heisst das wohl. Da bin ich auf jeden Fall dabei.

Der Coast Starline Express faehrt immer morgens von Seattle nach San Francisco, kostet 116$ und dauert 22 Stunden. In SF gibt es auch ein Green Tortoise, aber irgendwie hab' ich Bock auf eine billigere und schaebigere Unterkunft. Mal sehen, was ich finde.