Mittwoch, 15. April 2009

Coober Pedy

Schon bevor ich in Coober Pedy einlaufe, registriere ich besondere Beschilderung am Strassenrand. Australien ist wirklich nicht unkreativ was Schilder betrifft (BIER UND PORNOS VERBOTEN!1!!), aber das hier ist schon ziemlich stoned:



Liegt natuerlich daran, dass in Coober Pedy Opale im Boden liegen. Die hat man auf einer Tiefe von ca. 10m zwar weitestgehend ausgegraben, aber die Loecher gestopft hat dann niemand. Und so kommt es, dass mehrere Touristen nun querschnittsgelaehmt oder tot sind. Denn da unten hoert einen keiner.



Also fahre ich lieber weiter und finde eine ziemlich kleine und staubige Stadt, die sich dem Ostermontag weitestgehend hingegeben hat. Weil mein Auto quietscht und aus den Reifen schon die Metaldraehte rausgucken, suche ich irgendeinen Automechaniker, der geoeffnet hat. Und finde einen, wie cool!



Ein Herr Ende Sechzig steht an seinem Schuppen und passt auf einen Reifen auf, neben ihm stehen ein Dicker und ein Duenner. Ich parke, steige aus und naehere mich den dreien, da sagt der Alte:

<voice accent="german">Wott haeppent to jur kar?</voice>

"Jackpot!", denke ich mir und sage "You're Peter! From Ploen!". Dick und Duenn gucken Peter an, der sich eine Sekunde Auszeit goennt. "Yeah", bestaetigt er. Ich berichte, dass ich zwei huebsche junge Damen traf, die mir den Deutschen in Coober Pedy empfoheln haben. Die drei lachen. Der Dicke sagt "Peter just told us about'em!" und der Duenne "Why does always the old fart get to meet 'dem young chicks?!".



Volltreffer. Ich verbruedere mich also mit den dreien, dann muessen Dick und Duenn los. Mit Peter sabbel ich noch eine Weile, dann schaut er sich meine Reifen an und behauptet, ich waere damit keine 100km weiter gekommen. Ich frage, ob er grad Verkaeufer oder Gutachter ist, begreife dann aber, dass er das ernst meint. Ein 185R14er kostet bei ihm 115$, fuer mich kann er $100 draus machen. Aber erst morgen. Spur einstellen tut er nicht, aber sein Mechaniker kommt morgen, sonst der gegenueber und der einen Schuppen weiter.



Was ich heute noch so machen kann? Die Remarkables im Sonnenuntergang fotografieren, sagt er. Ach ne, mit den Reifen kommst Du da nicht mehr hin. Geh' doch Pommes essen im Fish'n'Chips da hinten. Ja geil alter!



Am naechsten Tag finde ich auch keinen besseren Preis und fahre schnell zur alten Mine, weil sie da die Geraete demonstrieren, mit denen noch heute gearbeitet wird. Erschreckend, womit die sich kaputtschrubben.



Es gibt ein paar kleine Bohrmaschinen und einen grossen LKW, der als Staubsauger dient: Ein Motor auf der Ladeflaeche saugt Luft durch ein grosses Rohr aus der Mine in eine Tonne. Die grossen Stuecke bleiben drin, der Staub geht weiter bis zum Ventilator. Geht der aus, stirbt der Unterdruck in der Tonne, eine Klappe oeffnet sich mit der Schwerkraft und der grosse Dreck faellt auf den Boden. Dann koennen Kinder in dem Haufen nach Opalen suchen, die der Typ unten uebersehen hat. Das nennt sich "noodle"n, und hinten auf der Tonne steht "NO NOODLING!"



Anschliessend schaue ich mir noch eine alte Mine an. Das Klima in 7m Tiefe ist deutlich besser als oben, und trotzdem ueberrascht, das deswegen noch heute Leute in solchen Hoehlen leben.



Das Museum hat ein wenig mehr Platz als Coober Pedy Geschichte, deswegen erfaehrt man auch was ueber Australiens Glasfasernetzwerk und den oertlichen Golfklub: Bei Eintritt bekommt man ein Stueck Kunstrasen, dass man vor jedem Abschlag zwischen Ball und Wueste legt. Vor ein paar Jahren haette es mal geregnet und in Folge waere Gras gewachsen. Kurzerhand bildete sich eine Gruppe Einwohner, die die Rasenfleck auf dem Golfplatz beseitigt haben. Schoen irre die Jungs.



Danach gehts wieder zu Peter, aber der faehrt gerade zum Mittagsschlaf. Der Duenne vertritt ihn und wechselt Schlappen im Akkord. Peters Laden ist naemlich eigentlich ausschiesslich ein Reifencenter, was in der hiesigen reifenfeindlichen Umwelt wohl recht lukrativ ist. Ich leihe mir einen Wagenheber und wechsele einen Reifen gegen den Reservereifen, den anderen baue ich ab.



Weil der erste Werktag nach Ostern ist habe ich also reichlich Gelegenheit zu lernen, wie man Reifen von der Felge holt, die Felge reinigt, das Ventil wechselt und neue Reifen aufzieht. Der Duenne heisst Mick und wir kommen ins Gespraech. Er raucht Kette und nach der Arbeit auch mit Extras. Sein Haus ist nur 50m entfernt, da zieht er mit seiner Freundin eine 10jaehrige Cousine gross. Weil Peter mir erzaehlt hat, dass Mick sein Computerfachman ist, frage ich ihn, wie schnell hier ein Internetanschluss ist und loese damit einen Wutausbruch in Richtung Telstra aus:

A month ago they called me: "We noticed you've been using your cellphone a lot more than usual lately. We'd recommend another plan for you which would be quite a bit cheaper!". I told'em "that's because you people won't fix my bloody landline, the phone's been dead for weeks!".

Lustig. Dann erzaehlt er mir von seinem 8MBit DSL-Vertrag, der aber nur 1,5MBit liefert. Bei Telstra angerufen sagt man ihm, der DSL-Uebergabepunkt waere wohl sehr weit von seinem Haus entfernt, da koenne man nichts machen. Mick's Adern kommen auf Betriebsdruck und er schreit in den imaginaeren Hoerer "I could throw a fuckin' rock into your bloody exchange, it's right across the street!".



Jetzt sind wir natuerlich schon fast Brueder und er schenkt mir eine Blinkerlampe und bietet mir eine Cola an. Nachdem ich erstere montiert habe, erwische ich ihn mit einer 600mL-Tuetre Milchkaffee, die ich schon seit Wochen auf Werbeplakaten sehe. "Yeah, I live off this stuff, it's bloddy awesome! In this state, it outsells Coca Cola three-to-one! Coca Cola has even created its own iced coffee to compete, but it's shit". Er schenkt er mir eine Tuete (also, Eiskaffee) - gar nicht schlecht!

Dann baut er meinen Reifen zusammen und ich schraub' ihn an. Peter ist inzwischen wiedergekommen, sein Mechaniker meldet sich aber nicht. Der sollte eigentlich meine Spur einstellen, und so erkundige ich mich, ob ich das bei dem Mechniker gegenueber fuer $60 machen lassen sollte. "You mean Adam-the-Asshole?" platzt Mick dazwischen. Nein, lieber bis Port Wakefield warten, da gaebe es laut Peter auch einen grossen Schrottplatz mit einem neuen Fenster fuer meine Buechse.

In einem ruhigen Moment quetsche ich dann noch Details aus Peter. Er ist in Ploen gross geworden, hat dann in Hamburg gearbeitet (damals haette man eher in der Steinstrasse gefeiert). Den Kiez gabs auch, aber das war mehr fuer Auslaender: besonders Daenen seien auf den Bier-fuer-50-Mark-Trick in dunklen Kneipen mit dunklen Speisekarten reingefallen.

Eines Tages wollte er dann auswandern, entweder Australien oder Schottland. Und wenige Wochen spaeter war eine Anzeige in der BILD: "Australien brauch Euch!". Somit war alles klar - fuenf Wochen haben sie auf einem Schiff Richtung Perth gewohnt und sich betrunken. Kurz vor Sydney hiess es dann "In Sydney alle raus!" und so schweisste er dort jahrelang Heizkessel. Irgendwann kam jemand aus Coober Pedy und bat ihn, irgendein Mineninstrument zu schweissen, seit dem ist er da.



"Frueher war es hier viel besser, da waren wir Maenner hier noch fast allein und haben gearbeitet. Da lag das Geld im Restaurant einfach so aufm Tisch. Und die Frauen und Familien waren noch nicht nachgezogen, da kamen jedes Wochenede die Huren aus Adelaide hier rauf. Oach, das war so schoen!". Irgendwie habe ich ein Talent, Menschen ueber 40 praekaere Details zu entlocken.

Vor 20 Jahren haette er nochmal Ploen fuer sechs Wochen besuchen wollen, aber er hat auf der Strasse keinen mehr erkannt. Erst auf dem Friedhof hat er seine Freunde wiedergefunden; deswegen ist er schon nach drei Wochen abgereist. Ich war den Traenen nahe, er schien weniger beruehrt.

Dann fragte er, ob er nicht nochmal mein unscharfes Bild von den beiden deutschen Maedels sehen duerfte. "Du heisser Hund, Peter!" - "Je oller, je doller, weisst Du doch!".



Mates for life :)

Sonntag, 12. April 2009

HeyHowYaDoin'!?

Nach Ayers Rock habe ich's natuerlich eilig weiterzukommen und knatter eine ganze Weile, bis ich nach Curtin Springs komme. Wie so oft ist das kein Dorf, sondern eine Tankstelle mit schlechtem Kaffee und einer Dusche. Und auf letztere bin ich scharf, aber leider duscht jemand.



Also warte ich und fotografiere mich selbst. Mach ich immer, wenns richtig langweilig ist - nur diesmal ist lustiges Licht dabei. Und weil der Typ nicht aufhoert, beobachte ich Kakerlaken, fuelle meine Wasserkanister auf und glotz die Sterne an.



Ploetzlich haelt ein Auto, das dem Zureck-in-die-Zukunft-Teil gar nicht unaehnlich sieht. Und zwei huebsche junge Damen stehen hinterm Kofferraum. Ich teile den Raum in Planquadrate ein und lege mir blitzschnell eine todsichere Strategie zurecht, sie ins Gespraech zu verwickeln. "HeyHowYaDoin?!"



"Hi!" kontert die eine, ohne dabei ihren deutschen Akzent vollstaendig verstecken zu koennen. Man spicht also auf Deutsch und erfaehrt, dass die beiden aus Muenchen kommen und gewoehnlich hinten im Auto schlafen. Danielle hat gerade 40 Tage nichts Suesses gegessen (weil Jesus das 40 Tage lang in der Wueste auch nicht gemacht hat). Wusste ich zwar nicht, aber das finde ich schon beeindruckend, schlieslich wuerde ich nach zwei Tagen ohne Kaffee kapitulieren. Man schenkt mir Ostereier und Schokoriegel, die ihre Reise durch die Steppe nicht ganz spurlos ueberstanden haben.

Wir spassen also gemeinsam rum, tauschen 15-W40 (deren Auto hat schon 450tkm runter, wie mutig!), Namen, Reiseplaene und -erfahrungen aus, da macht mir Danielle ein Kompliment. Und weil ich das gerne schriftlich haette, schreibt sie mir einen Brief. Wie nett von ihr, das hat mich gefreut.



Weil ich von meinem Unfall berichte, empfiehlt man mir den deutschen Automechaniker Peter in Coober Pedy. Die beiden Maedels hatten ihn gefunden und sich seines Zornes ausgesetzt, weil sie seine Heimatstadt Ploen nicht auf der Karte einzuordnen wussten. Als Wegbeschreibung gibt man mir "da so irgendwo hinterm Kreisverkehr eher rechts, weiss ich auch nicht" mit. Wicked, den nehm' ich!

Ayers Rock

Auf der Karte und in meinem Kopf lagen Stein und Canyon ziemlich dicht beieinander, aber ich sach mal: das taeuscht!



Fast vier Stunden lang drehte ich mein verbogenes Lenkrad bis ich endlich Eintritt zahlen durfte, um mich dem Stein zu naehern. Und zwischendurch wird man auch noch reingelegt, weil der folgende Stein auf dem Weg liegt und dem Original gar nicht unaehnlich ist. Impostor! Noch eine ganze Stunde musste ich weiterfahren.



Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich Eintritt fuer ein Stueck Land bzw. einen Nationalpark gezahlt habe - dafuer darf man sich dann auch vier Tage lang mit dem Stein eins werden. Mal ehrlich, Frollein, wer macht das denn schon?





Ich dachte immer, die duenne Linie auf der Karte um den Felsen waere ein Wanderweg. Den gibt es auch, aber die Linie ist eine Strasse, denn der Wanderweg ist der innere Ring, die Strasse der aeussere. Manchmal treffen sich die beiden, wohl damit Busse Wanderer aufsaugen und ausspucken koennen.



Und schon fing Herr Adler an, zu planen: Wir ham's kurz nach zwei, der Wanderweg drumrum ist 10km lang, also eine gute Stunde. Zum Sonnenuntergang muss ich, mmh, wo will ich da sein? Im Westen, damit der Felsen schoen glueht, oder im Osten, dann waers im Gegenlicht mit der Sonne im Hintergrund. Auf der Kamera nachgesehen, wann die letzten Tage Sonnenuntergang war, fuehrt mich zu den schoenen Bildern im Kakadu-Park: 1830.

Weil also noch viel Zeit bleibt, fahre ich einmal mit dem Auto um den Felsen und parke beim cultural center. Auf dem Flyer stand nur, dass man den Felsen nicht besteigen soll, weil viele Leute abrutschen und sich verletzen - und dann wuerden die Aboriginees trauern. Das haette mich nicht wirklich abgehalten (und so haette ich den Weg angetreten, um ihn - in Thores Worten - German-Style zu besteigen :). Hier wurde aber erklaert, dass man es einfach nicht tut, denn es ist Gesetz.



Also doch nicht. Vom cultural center zurueck zum Parkplatz gleich am Stein machte ich ein paar Bilder von denen, die trotzdem klettern wollten und ging dann rum. Auf dem Weg begegnete ich drei Franzoesinnen, von denen eine wild um sich in die Luft schlug. Mich hatten gestern bei den Meteoritenkratern die Fliegen so sehr genervt, dass ich mir aus einem Fetzen Mosquitonetz ein Muetzenschutz genaeht habe. Wie nuetzlich.



Die drei Franzoesinnen waren noch ein paar Jahre juenger und reisten alle zusammen in einem nur unwesentlich groesseren Auto rum. Respekt! Als sie dann zu rauchen anfingen, trennten sich unsere Wege wieder.



Es gibt ein paar wirklich schoene Stellen, an denen Wind und Sonne irgendwie zusammen passen - es ist nicht so fies heiss und ein laues Lueftchen weht. Und kurz bevor ich ein kleines Wasserloch entdecke, scherzen zwei blokes ueber die Jahrtausende alten Muellsaecke, die man aus religioesen Gruenden nicht fotografieren soll.





Unterwegs wird man naemlich staendig von Schildern gebeten, die akutelle Ansicht des Steins nicht zu fotografieren, weil es sich dabei um eine heilige Staette handeln wuerde. Hab ich dann auch gelassen, aber mich haette interessiert, was denn da genau stattgefunden hat.





Als ich mich gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang westwaerts eingefunden hatte, patzten die Elemente. Wolken. Kein Sonnenuntergang. Zum Glueck rief Thore an und wir quatschen ein Weilchen, waehrend ich unmotiviert ein paar blasse Fotos knipste. Und weil ich ihn von meinem kleinen Unfall erzaehlte, rief ich danach auch noch Mama an. Sie sollte es nicht aus der Zeitung erfahren :)





Es ist schwierig, diesen Stein einzuordnen. Er ist echt gross, im richtigen Licht wunderschoen und sieht von jeder Seite anders aus. Und es ist ein bloeder Stein. Manchmal sind Sehenswuerdigkeiten genau so toll, wie man sie in seinem Kopf gerade macht.

Kings Canyon

Angesichts des Preises, den ich fuer den Scheissumweg zum ScheissKingsCanyon gezahlt habe, muesste ich jetzt eigentlich mit Superlativen um mich werfen. War aber nicht so. Morgens angekommen war der Parkplatz fast voll - das bedeutet eine ganze Menge Busse, Campingwagen, normale Autos und eben auch viele Menschen.



Schilder weisen darauf hin, dass man pro Stunde die man unterwegs ist, einen Liter Wasser mitnehmen soll. Fuer einen Rundgang, der 3,5 Stunden dauern soll, fand ich das irgendwie uebertrieben und hab's mit einer 500mL-Flasche versucht. Ging auch.



Erstmal begruesste mich ein huebscher Vogel, bevor es eine fies lange Steintreppe nach oben ging; danach gabs aber fuer den kompletten Rest des Rundgangs nicht mehr viel zu Klettern. Oben wartete gleich ein Notruffunkgeraet fuer ueberhitze/dehydrierte/verstauchte Mitwanderer mit Solarzelle, wie schlau.



King's Canyon ist ein Canyon. Das bedeutet schoene grosse Steine und Schluchten, steile Wege und viel Wind. Ganz schoen anzusehen, aber irgendwie konnte mich die Landschaft nicht so richtig reinreissen. Staendig versuchten Schilder, einem die Entstehungsgeschichte anzutragen, so richtig interessiert hat's mich nicht. Es war so ein bisschen, als haette mir mein uebereifriger Geologielehrer ueber die Schulter geguckt, waehrend ich nur 'n bisschen rumlaufen wollte.



Ein Dilemma, dass der Canyon selber schlicht nicht zu fotografieren war. Selbst wenn er ausnahmsweise ganz in den Sucher passte, kam nur ein plattes Bild mit viel rotem Geschiebemergel dabei raus.



Und so kam es, dass ich nach 1,5 Stunden schon wieder den Parkplatz anvisierte. Denke mal, mir lag auch mein enger Zeitplan im Ruecken, dann kann man so eine Landschaft schlecht einatmen.



Auf zum roten Felsen!

Samstag, 11. April 2009

Mein erster Unfall

Welchen Abenteurer wuerden schon solche Schilder abhalten?





Wenn man von Alice Springs zum King's Canyon fahren will, gibt es da zwei Moeglichkeiten: entweder man faehrt in einem U ueber asphaltierte Strassen, oder man ist ein ganzer Mann und faehrt die direkte Strecke ueber Staub und Dreck. Auf letzterer liegen auch noch ein paar Meteoritenkrater, die aber wenig beeindrucken. Ausserdem nerven die Fliegen.



Nach ungefaehr zehn Kilometern wird die Strasse wirklich schlecht. Der Regen hat grosse und regelmaessige Rillen in den Boden gespuelt, so dass alles ueber 20km/h saemtliche Lager zerbombt. Ich stottere also mit 15km/h die restlichen 90km ab und aergere mich ueber meine Dusseligkeit, waehrend Landcruiser mich mit 120km/h ueberholen. Die koennen's ja machen, mit ihren grossen Reifen und Vierradantrieb.



Eine Viertelstunde spaeter ueberholen mich aber drei kleine Autos, die hoechstens an den beiden vorderen Raedern angetrieben sind und deswegen kein Bisschen langsamer fahren als die Gelaendewagen.



Kann ich auch. Macht sogar richtig Spass, und ab 80km/h hoert das Ruetteln auf. Weil ich Hinterradantrieb habe, bricht gerade im tiefen Sand das Heck gerne aus und ich kurbele wie verrueckt an meinem Kreis, um nicht im Graben zu landen. Weeeeeee, das fuehlt sich an wie "Big Red" oder "Insane" [Anm. D. Red: Ich glaube, Big Red ist tatsaechlich anch den Kaenguruhs im Outback benannt], also zusammen mit dem Handbreiten Spiel, dass ich eh schon immer im Lenkrad habe schoen schwammig und unpraezise.



Auf einmal faengt es an, nach Benzin zu riechen. Passiert manchmal bei dem Auto, also fahre ich weiter. Irgendwann wird's unertraeglich und ich stelle fest, dass sich die Entlueftungsschraube an meinem 20L-Kanister geloest hat und der Scheiss langsam in meinen Kleidersack sickert. Toll.



Wenn man so viel in der Einsamkeit faehrt wie ich in den letzten Tagen, nimmt man alles zu Lesen mit, was man kriegen kann. Konkret denke ich jetzt an den Flyer, den ich gestern an einer Tankstelle hab' mitgehen lassen. Er erklaert, was OPAL Fuel ist: Im ganzen Northern Territory gibt es kein normales Normalbenzin mehr zu kaufen, sondern nur noch die OPAL-Variante. Und die unterscheidet sich dadurch, dass die Chemikalie ersetzt wurde, die Benzinschnueffelnde Aboriginees high werden laesst (politisch korrekt spricht man von "petrol sniffing in remote communities"). Mein Unglueck ist also frei von Vorteilen.

Waehrend ich weiter begeistert durch die Wueste Dakar rase, bringt ein groesserer Huckel meine Hinterraeder aus dem Konzept. Wie bei "Werner" Teile seiner Handbremse auf der Bergabfahrt an ihm in Zeitlupe vorbeifliegen, spuere ich, wie meine Hinterraeder mich ueberholen. Ich dreh das Lenkrad ganz nach links und nehm' den Fuss vom Gas, aber so richtig helfen tut's nicht. Und dann greifen die Reifen wieder und ich fahr' mit ungefaehr 70 verbliebenen Stundenkilometern ueber die Boeschung an der Seite. Die ist immerhin einen guten Meter hoch und so fliege ich ungefaehr fuenf, bevor ich mit der vorderen Stossstange eine drei Meter hohe Busch/Baumkombination glatt absaebele. Bevor sie sich geschlagen gibt, drueckt sie allerdings noch meinen rechten Aussenspiegel in die Seitenscheibe.



Noch bin ich in der Luft. Anstatt Angst hab' ich komischerweise eher eine angspannte Aufregung im Bauch und denke mir "In welche Rucksacktasche tu ich jetzt meinen Inverter?" und "Scheisse, wie komm' ich jetzt nach Adelaide?". Ich bin echt bescheuert.

Nochmal vier Meter weiter komme ich zum Stehen. Quer zur Fahrtrichtung. Um mich herum ist Staub, nach rechts blickend sehe ich meine zerborstene Seitenscheibe. Mist, wieso hatte ich denn das Fenster geschlossen? Naja, vielleicht ganz gut so.



Ich steige aus und ziehe einen grossen Ast aus der Stossstange. Der Steinschlag, den mir ein RoadTrain ein paar Tage vorher in die Frontscheibe gehauen hat hat sich als Riss quer ueber die Scheibe maeandriert. Toll, wenn man die letzten zwei Monate die Dichtung drumherum repariert hat. Ein paar Beulen sind dazu gekommen, der Blinker geht nicht mehr.



Und ploetzlich kommt mir eine Idee: Das ist doch alles gar nicht so schlimm, dem Antriebsstrang ist doch gar nichts passiert. Die Reifen sind auch noch gerade. Also setze ich mich wieder rein und siehe da: der Motor startet. Hah! Mit ein bisschen Graben und ein paar Anleufen wippe ich mich aus dem Sand, rutsche eher unelegant die Boeschung wieder runter und parke.



Jetzt daemmert mir langsam, was da eigentlich gerade passiert ist. Schoen, dass ich noch da bin. Nach ein paar hundert Metern faellt die Seitenscheibe raus. Weil sie splittert, begrabe ich sie in der Wueste. Zwei Frauen kommen in einem Pickup vorbei, die Beifahrerin trinkt Bier. Ja, alles gut. Mit einer Mischung aus Abenteuerlust, Frust, Dankbarkeit und Durchhalteparolen fahre ich die restlichen dreissig Kilometer. Eher langsam. Da faellt mir auf, dass das Auto jetzt geradeaus faehrt, wenn das Lenkrad um 90 Grad nach links verdreht ist. Und das Spiel ist auch groesser geworden. Nicht so gut.





Als ich endlich auf die Kreuzung zur Asphaltstrasse treffe, haelt ein Bauer im Landcruiser an. Ich erzaehle meine Geschichte, die er sich geduldig im Fuehrerhaus anhoert. Dann guckt er mich mitleidend an und kramt er in einer Kiste auf seinem Beifahrersitz.



Sekunden spaeter haelt er mir eine Flasche XXX Export Gold unter die Nase und sagt "Beer? It doesn't get much colder than that!". Wir trinken also zusammen Bier an der Kreuzung waehrend er meine Lenkstangen unter dem Auto inspiziert. "Looks alright", resumiert er, dann erfahre ich, dass er 30km in die Richtung wohnt, aus der ich komme. Er faehrt die Strecke jeden Tag mit 120km/h.





Ich fahre weiter zum King's Canyon, wo ich mich zum Schlafen auf den Parkplatz lege. Nach einer halben Stunde kommen Ranger (im Landcruiser) vorbei und zwingen mich, weiterzufahren. Also parke ich im King's Canyon Resort und schlafe mit offenen Fenstern im Benzindunst.