Mittwoch, 7. Januar 2009

Zeitarbeit

Eigentlich, so habe ich mir gedacht, sollte ich mir Kupplung erarbeiten.

Am liebsten wuerde ich in der Kueche arbeiten. Gemuese schnippeln, vielleicht durfte ich sogar was kochen, dachte ich mir. Da ist aber eigentlich nichts zu kriegen. Selbst McDonalds erfordert eine Online-Bewerbung, fuer die man eine feste Postadresse braucht. Irgendwie schraeg, wenn man 20 Jahre lernt und dann kann man nichtmal beim goldenen m einspringen.

Der KFZ-Mechaniker, der mir den blauen Rauch erklaert hat sagte, bei der Kneipe um die Ecke ist ab und zu was frei. Ich fragte nach und bekam zu hoeren, ich koennte wahrscheinlich puzten. Um 2200 schliessen sie, vorher koennte ich mein CV abgeben.

Also schnell ins Internetcafe, Lebenslauf uebersetzt und angepasst, Anschreiben dazu, ausgedruckt. Zurueck zur Kneipe und siehe da, sogar der Manager ist da. Mark. Ben. Ja, ich koennte putzen. Und manchmal auch in der Kueche arbeiten, da kann man mal so hin und herspringen. Super!

Ich haette bloss nicht sagen sollen, dass ich nur fuer ein bis zwei Wochen arbeiten will. "Oh, well, we're looking for permanent employment. Thanks, but, well, have a nice day!". Das mache ich naechstes Mal besser.

Das war jedenfalls gestern. Vorher war ich noch bei Quin Workforce, die hatte ich auf einem Aushang im Hostel gefunden. Da gibt es groesstenteils Auftraege aus der Baubranche, manchmal Logistik. Wie cool, ich will auf der Baustelle arbeiten!

Habe einen etwas lethargischen Kanadier vom Parkplatz mitgenommen, der auch Arbeit suchte. Mark ist unser Sachbearbeiter, hat uns ein paar Formulare ausfuellen lassen, am naechsten Tag (also heute) um 0900 waere dann ein Interview. Bis dahin brauche ich noch ein Bankkonto, das habe ich eine Stunde spaeter erledigt. Hat nur 10 Minuten gedauert, Onlinebanking ist auch eingerichtet. Wow.

Ich war heute um 0857 da, der Kanadier ein paar Minuten spaeter. Zuerst fuehrte uns Mark in ein kleines Zimmer, wo wir einen Einfuehrungs- und Sicherheitsfilm sahen. Der war irre komisch.





Danach haben wir Formulare mit unseren Faehigkeiten ausgefuellt. Also, ich kann total gut:


  • Eletrische Sachen verkabeln
  • Datenkabel verlegen
  • Moebel verpacken und schleppen
  • Aufraeumen
  • Im Lager scannen
  • Malen. Also, so als Maler meine ich.


Und noch ganz viele andere Sachen, die ich alle vergessen habe. Wann immer ich wusste, worums ging, hab ich ein Kreuzchen gemacht. Gibt dann naemlich mehr Geld.



Dann haben wir einen Arbeitspass bekommen, mit Foto, Blutgruppe und jeder Menge Sicherheitsrichtlinien (PPE heisst Personal Protection Equipment: Sicherheitsschuhe, High-Visibility-Weste, und: auf die Arbeit Helme auf!). Guetschi, ich hab' Dich als Next-of-kin eingetragen. Wenn also ein panischer Anruf nachts um drei kommt, darfst Du meine Fussballschuhe haben :)

Wir mussten sogar ein Multiple-Choice-Quiz mit Fragen zum Arbeitspass machen, um eben die Inhalte des Arbeitspasses kennenzulernen:

Wenn man gefaehrliche Zustaende auf der Baustelle auffindet, sollte man:

a) weiterarbeiten
b) den Kunden benachrichtigen
c) Quin Workforce benachrichtigen
d) beide benachrichtigen

Wenn man keine Zertifizierung zur Benutzung von Maschinen (Gabelstapler, Kreissaege) hat, darf man sie

a) vorsichtig benutzen
b) nicht benutzen

Na, wisst ihrs?





Mir fehlte aber noch eine Steuernummer (IRD-Number), ohne die ich noch nicht arbeiten kann. Von der Beantragung bis zur Fertigstellung vergehen meist so um die 10Tage. Wenn man lieb fragt, drei Tage. Voll bloed, weil ich dann laenger in Wellington bleiben muesste. Naja, ich hab sie gleich danach bei einer sehr netten und hilfsbereiten Dame im Amt beantragt. Am Freitag wirds vielleicht schon was.



Mittags machten Bauarbeiter auf unserem Parkplatz Pause. Habe mich bis zum Chef auf der Baustelle durchgefragt. Hayden. Hayden war auch ganz nett, aber sie haben nichts frei und stellen auch nur ueber Arbeitsagentuern ein. Schade.

Der Kanadier hat mich dann Abends auf dem Parkplatz besucht und erzaehlt, er waere tatsaechlich schon drei Stunden arbeiten gewesen. Er wurde Mittags von Mark angerufen, ob er Zeit haette. Holzplatten vom Laster in den 5. Stock tragen, mit 7 anderen zusammen. Drei Stunden lang, waere richtig fiese Arbeit gewesen, alle anderen haetten geflucht, bis der Auftraggeber versprach, zum Mittag eine Pizza zu bestellen.

Scheisse, genau das wollte ich doch mal miterlebt haben.

Habe eine SMS an Mark geschrieben:

Hi Mark! Phil just told me about his first assignment - wow, that was quick! I should have my IRD by friday, and you're already on my speeddial :) cheers, ben


Zwei Minuten spaeter kam die Antwort:

Sweet let me know when you have it


Aha. Na, mal sehen.

Irina Yun

Jetzt mal ein nicht so schoener Text.

Lesley hatte mir recht viel von Mount Aspiring erzaehlt, dem hoechsten Berg in der Queenstown/Wanaka-Region. Sie war da naemlich ein paar Tage, bevor ich sie traf. Und natuerlich zeigte sie mir ein paar Bilder auf ihrer Kamera. Der Berg soll recht schwierig zu besteigen sein, weil es ziemlich steile Passagen gibt.

Als ich in Wanaka allein am See sass, las ich von einer vermissten asiatischen Wandererin namens Irina Yun, Grafikdesignerin und Fotografin aus Auckland, die allein auf Mount Aspiring unterwegs war. Ich erzaehlte Lesley davon, als sie vom Laufen wiederkam. Da erstarrte sie.

Irina Yun war zuletzt um 0930 an der Steilwand gesehen worden. Die Nacht vorher hatte sie neben Lesley in der Huette geschlafen. Lesley hat noch ihren Fuss beruehrt, weil sie schnarchte. Morgens hat sie dann - ganz asiatisch - still in ihrer Ecke ihr Brot aufgegessen und sich auf den Weg gemacht.

Lesley hat sie nicht angequatscht, weil sie noch damit beschaeftigt war, sich ueber ihre Nationalitaet zu wundern. "Ich wandere seit 7 Jahren ungefaehr zwei Mal im Monat und habe das erste Mal eine Asiatin oberhalb 1000m gesehen", sagte sie. Und sie haette ausgesehen, als haette sie sich ihre Ausruestung gerade erst bei Kathmandu (Globetrotter Neuseelands) zusammengekauft.

Dann macht Lesley sich Vorwuerfe, sie haette sie ansprechen sollen. Denn sie hatte viel zu viel Gepaeck. Und zu dicke Klamotten an. An der Steilwand schwitzt man naemlich ziemlich, und man kann nichts ausziehen, weil man sich mit beiden Haenden festhalten muss. Und wenn man oben ankommt, ist es dort haeufig neblig. "Man sieht einfach nicht, wo es weitergeht."

Jedenfalls ging Irina um 0700 los, Lesley nahm spaeter einen anderen Weg.

Am naechsten Tag lasen wir, dass die Suchmannschaften wegen schlechten Wetters nicht weiter suchen koennen. Und heute las ich, dass man ihren Rucksack gefunden hat.



Ich gehe nicht allein auf hohe Berge.

SimonHell und SimonDunkel

Als ich mit Marie in Wellington ankam, fand sie einen Parkplatz direkt in der Innenstadt. Genau gegenueber vom Nationalmusem ("Te Papa", our place). Das komische war, dass dieser Parkplatz riesig und voellig unbeschildert war. Normalerweise muss man fuers Parken richtig abdruecken, das war dort aber gar nicht der Fall.

Also parkten wir in einer Reihe von Campingwagen. Die meisten Leute waren natuerlich Deutsch. Zwei Wagen weiter links, in der dunkelsten Ecke, traf ich auf SimonHell und SimonDunkel.



Sie kommen beide aus dem Pott und waren schon ein halbes Jahr in Australien unterwegs. Jetzt sollte noch die Suedinsel dran sein und dann wuerde es mit einem Auto von San Francisco bis New York gehen, bevor man nach Hause fliegen wuerde.

Sollte? Wuerde?

Als ich mit Marie nach der Neujahrsfeier zum Auto kam tranken wir noch mit Miriam (ihrer Freundin aus Auckland) Bier. Dann ging Miriam ins Hostel, Marie und ich quetschten uns ins Auto. Kurze Zeit spaeter kamen drei Gesellen vorbei, die nicht sehr freundlich aussahen. Der fetteste pisste neben unser Auto, waehrend ich ihn anstarrte, die anderen beiden verschwanden hinter dem Nachbarauto. Ein paar Sekunden spaeter gingen sie wieder, 10 Minuten spaeter schliefen wir.

Am naechsten Morgen packte ich mein Fahrrad, um zum Flughafen und ab nach Queenstown zu fliegen. Da kam SimonHell zu mir, und ich habe noch nie eine so fertige Koerpersprache gesehen. Ihr Auto wurde ausgeraubt. ALLES ist weg. Alles. Einfach alles. Und vor allem die Bilder. Alle Bilder. Dann setzte er sich auf den Boden und trank ein Bier.

Scheisse. Ich musste auch noch dringend zum Flieger, habe ihnen aber meinen Schluessel fuer den Bus dagelassen, ihnen gesagt, dass sie gerne drin schlafen und alles Essbare aufessen koennen.

In Wanaka bekam ich dann von SimonDunkel eine SMS. Vielen Dank, er haette lange nicht mehr so gut geschlafen. Habe naemlich eine richtige Matratze im Bus. Ich antwortete, dass wir uns ab Dienstag schoen Arbeit suchen, dann passt das alles wieder. Er schrieb

"DU suchst Dir Arbeit, WIR sind dann mit Deiner Karre schon lange in Mexiko!"

Aha, schon wieder positive Toene, schoen. Als ich wiederkam, haben wir noch zusammen gegessen und gekifft (keine Sorge Mama, Deine kleine Prinzessin kanns immernoch nicht ab und hat es nach dem ersten Zug gelassen). Dann hat man mir noch einen Kasten Bier geschenkt. Wie nett!

Ausserdem hab' ich vieles gelernt. Wo man umsonst duschen kann, wo man kostenlos Zeitungen bekommt, dass man am Wasserhahn an der Tankstelle, neben dem McD Drive-In gut abwaschen kann etc.



Sie hatten sich schon wieder ganz gut eingelebt. Klamotten gabs von der Salvation Army fuer ein paar Dollar, einen Rucksack haben sie durch ein Missverstaendnis umsonst bekommen, eine gebrauchte 5MP-Digitalkamera gabs von zwei Iren fuer 20 Euro. Jetzt waren sie sich noch etwas uneins darueber, ob man verlaengert und arbeitet, verkuerzt, oder einfach so weitermacht.

Geht doch. Nur das mit den Bildern ist aergerlich. Sichert Eure Daten!

Dienstag, 6. Januar 2009

Auferstanden aus Ruinen...

...und der Zukunft zugewandt!

Vor Sylvester bin ich durch ganz Wellington gefahren, um den besten Preis fuer die Reparatur meiner Kupplung zu finden. Ungefaehr bei der sechsten Werkstatt traf ich dann endlich auch Nick, der sagte, er kann das privat machen. Noch am Freitag. Preis kommt spaeter per SMS. Als er dann 590$ vorschlug, drohte ich damit, wieder nach Palmerston North zu fahren, denn dort sollte es nur 420$ kosten.

Achso, ja, wenn es nicht sofort sein muss, gehts vielleicht auch noch billiger. Am Ende hat er mich an seinen Schwager Sergey verwiesen, der sollte es fuer $450 incl. aller Teile, Arbeit und Steuern machen.

Also bin ich heute um 1330 bei der richtigen Werkstatt gewesen. Der Termin war aber erst um 1430. Das wusste ich auch, nur die Uhr des Rechners im Internetcafe ging eine Stunde vor. D'oh.

So parkte ich den Bus neben einem unauffaelligen weissen Auto vor der Werkstatt und setzte mich auf die hintere Stossstange, wartete, ass eine Orange. Als ich fertig war, merkte ich, dass die Fahrertuer die ganze Zeit offen war und den Lack vom weissen Auto neben mir abgeschabt hatte. Scheisse.



Irgendwie war ich gerade nicht in der Lage, neben den $450 nochmal so viel fuer einen Kratzer auszugeben. Deswegen trat ich die Kupplung, um das Auto rollend zu verschieben, verwischte den Kratzer und hoffte, dass es gut geht.

Nicht richtig. Nicht ehrlich.

Sergey kam irgendwann und ich sagte ihm, dass ich mitschrauben will. Ah, ok, dann soll ich um 1730 wiederkommen, er faengt naemlich an, wenn die Werkstatt offiziell schliesst.

Also fingen wir um 1730 an. Ich fuhr auf die Hebebuehne und los gings. Das Auto ist eigentlich - dank Heckantrieb - ziemlich einfach aufgebaut. Vorne ist der Motor, in der Mitte ist das Getriebe mit Kupplung, dann fuehrt eine Kardanwelle nach hinten zu den beiden Antriebsraedern. Vorne sind noch zwei extra Kuehler fuer die Klimaanlage(!), Oelwanne und -filter, in der Mitte ist der Benzintank. Vom Motor fuehren drei Keilriemen zur Klimaanlage, Servolenkung und zur Lichtmaschine. Alle drei Riemen sind locker. Deswegen quietscht es immer so.







Sergeys Familie kam vor zehn Jahren aus der Ukraine nach Neuseeland, denn in der Ukraine wollte man damals nicht sein. Heute auch nicht. Wir unterhielten uns ein bisschen, er bot mir ein Bier an. Ueber Sylvester hat er sein Mobiltelefon verloren. Er trank schon sein zweites Bier und wollte nachher noch nach Hause fahren. Seiner Meinung nach kann man erst 2 Bier trinken, danach pro Stunde noch ein weiteres, ohne Probleme zu haben. Also, schon Probleme wenn man angehalten wird, aber man koennte theoretisch noch sicher fahren.

Den ganzen Mittelteil - also Kupplung und Getriebe - mussten wir rausnehmen. Sergey trennte das Kabel fuer den Rueckscheinwerfer ab, die Tachowelle, die beiden Bowdenzuege des Schaltknueppels. Ich schraubte hinten die Kardanwelle ab, er das Gehaeuse vom Chassis, ich das Gehaeuse vom Motor. Dann schraubte ich den Startermotor ab.





Anschliessend zogen wir den Getriebekasten nach hinten ab und legten ihn ab. Der ist so um die 20kg schwer. Jetzt lag unterm Auto die Kupplung frei.



Der Grund, warum sie nicht entkuppelte: Zwei kleine Federn in der Kupplungsscheibe waren gebrochen. Sergey schleifte noch das Flywheel sauber, dann ersetzte er die Scheibe durch die neue und wir bauten alles wieder zusammen. Eineinhalb Stunden spaeter waren wir fertig, hatten nichtmal alle Ersatzteile gebraucht.





Auf der Probefahrt lief alles gut. Als ich ihn fragte, ob es denn nun $450 seien, zoegerte er kurz. Ich merkte, dass er ein schlechtes Gewissen hatte. Wir hatten nicht halb so lange gebraucht wie veranschlagt, und wahrscheinlich wuerde er die uebrigen Ersatzteile zurueckgeben. Ich Trottel, merkte ich, haette die Zahl nicht erwaehnen sollen, haette ihn lieber fragen sollen, was ich ihm schulde. "I guess", sagte er. Also zahlte ich.

"I can fix your belts tomorrow, just come in at four thirty."

Hui, immerhin. Glueck gehabt.

Als ich mich mit seinem Kollegen unterhielt, zeigte der mir eine kaputte Zylinderkopfdichtung an dem betroffenen Auto. Je nachdem, welche Farbe der Rauch aus dem Auspuff hat, kann man sagen, wo das Problem liegt:


  • weiss: Kuehlwasser kommt durch einen Riss der Dichtung oder des Motorkopes in den Zylinder und als Dampf hinten raus. Feierabend.
  • blau: Oel wird durch kaputte Zylinderdichtringe verbrannt. Mindestens neue Ringe, meist mehr.
  • schwarz: Es wird zu viel Benzin verbrannt. Scheisse, hab vergessen, wie das kommt.


So oder so, wenns raucht oder dampft: schnell verkaufen :)

Ich *glaube*, ich habe Sergeys Auto zerkratzt. Bin mir aber nicht sicher.

Das Leben als Pseudo-Obdachloser...

... ist eigentlich ganz lustig.

Ich gehe jeden Morgen ins Museum gegenueber. Da gibts saubere Toiletten und eine kostenlose Zeitung. Wasser hole ich am Wasserhahn der Tankstelle. Servietten gibts bei MacDonalds. Plastiktueten bekommt man beim Einkaufen automatisch.

Schwierig wirds beim Duschen. Entweder kaltes Wasser vor Publikum in der Innenstadt, weiter wegfahren, $1.5 im Schwimmbad, oder - und das ist fuer Fortgeschrittene: ins Hostel schleichen.

Das muss man eh ueben, denn beim Waesche waschen gibts keine Alternative. Inzwischen schleicht sich der ganze Parkplatz ins YHA-Hostel neben dem NewWorld-Supermarkt zum Waschen und Duschen. Meistens geht es gut, manchmal nicht. Dann wird man nach dem Schluessel bzw. der Zugangskarte gefragt.

Marie z.B. hat vorher gefragt, ob sie darf, und wenn man dann ein Nein kassiert (das war der Fall), ists natuerlich bloed. Tobias wurde wohl schonmal aufgegriffen, weil er mit seinen 18 Jahren deutlich unter dem Altersdurchschnitt liegt (er sieht auch aus wie 16).



Deswegen geht er jetzt immer lesend an der Rezeption vorbei. Ich tue immer so, als wuerde ich telefonieren, um den Ansprechwiderstand zu erhoehen. Einmal hab ichs aber auch verbockt, und zwar Stromberg-Style: Bin quatschend mit dem Telefon am Ohr an der Rezeption vorbeigegangen, mit dickem Rucksack ud Fahrradtasche voller Waesche. Schielend merkte ich, dass mit ein Paar Augen hinter dem Tresen folgten, denn mit so viel Gepaeck ist man schonmal verdaechtig.

Und ausgerechnet in dem Moment klingelt mein Telefon.

Haha, bin lachend rausgerannt. Ein Glueck, morgen ist Berufsschule.

Sonntag, 4. Januar 2009

Queenstown

Heute morgen sah mich Caroline und sagte "Hey Mate, nice to see you movin'!". Dann lachte sie. "She's a tough guide, ey?". Ja, ist sie.

Lesley fliegt heute um 1700 wieder nach Auckland, muss also kurz nach 1600 am Flughafen in Queenstown sein. Also sind wir zusammen zwischen 1000 und 1100 mit dem Bus von Wanaka nach Queenstown gefahren, um uns dann noch letzteres anzusehen. Queenstown ist eigentlich wie jede andere kleine Stadt auch, nur dass richtig viele Touristen rumlaufen und so viele Bungee-Plakate aushaengen, dass es nervt. Irgendwie fuehlte ich mich staendig so, als wuerde ich gerade was verpassen.

Nur, weil ich gerade nicht aus einem Flugzeug oder von einer Bruecke springe. So ein Bloedsinn.



Reisen mit Lesley macht Spass, weil sie immer froehlich, freundlich und zappelig ist. Spongebob eben. Sie ist ausserdem extrem unkompliziert und kennt sich in der Gegend sehr gut aus. Reisen mit Lesley ist aber auch ein bischen anstrengend, weil sie recht laut und viel spricht. Auch Spongebob. Insofern passte es ganz gut, dass wir uns Queenstown noch ein paar Stunden zusammen angesehen haben und sie dann wegflog.

Vorher haben wir allerdings noch eine Pizza gegessen und gingen dann am Hafen Kaffee trinken. Und dann riefen noch Annina, Nele und Guido an - man hatte getrunken :) Wir sprachen eine gute halbe Stunde am Telefon, waehrend Lesley fasziniert der deutschen Sprache folgte. Sie kann zwar ein paar Sachen sagen ("Wie haizen Zie?", "Wieviel kosten es?", "DAS GEHT SIE GARNICHT AN!!"), verstand aber nicht wirklich was.



Nachdem sie weg war, habe ich mich an den Hafen gesetzt und gelesen.





Abends gings dann ab ins Hostel, denn mein Flug geht erst morgen Mittag. Das 8er Zimmer war voll und unglaublich unordentlich. Wie mein Zimmer, als ich 12 war. Eklig. Wie sich herausstellte, waren die anderen 7 so um die 20 Jahre alt, angetrunken und heiter.

Da ich noch nicht schlafen wollte und gefragt wurde, bin ich noch mit in ein paar Pubs gegangen. Da habe ich mich mit Laerke aus Daenemark unterhalten. Ich glaube, man schreibt ihren Namen mit dem lustigen daenischen a mit dem / durch die Mitte. Ist aber auch egal, denn Laerke war sehr nervig. Sie war 21 und im zweiten Semester Psychologie unterwegs. So dauerte es nur wenige Minuten, bis sie mich nur aufgrund der Tatsache, dass ich (gerne) allein reise in saemtliche Schubladen gesteckt hatte.

Trotzdem betrachtete sie es als opportun, sich an der Bar an mir zu reiben. Man kann naemlich fuer gute 20$ eine Teekanne mit irgendeinem Schnaps drin bestellen. Sie trinkt naemlich kein Bier, und das ist doch wirklich mal was Besonderes!!1!

Yeah, right. Shut up, bitch.

Samstag, 3. Januar 2009

Mount Dingbums

"Also, einen Berg gibt es, naeh, den musst Du unbedingt gesehen haben!"

Somit sind wir gegen Mittag mit Wasser, Brot und Wechselklamotten 5km zum Berg gefahren. Leider habe ich vergessen, wie er heisst, aber das ist ja auch gar nicht so wichtig. Der Aufstieg war ganzschoen anstrengend. Man geht naemlich immer nach oben.



Erst war ich nicht so richtig ueberzeugt, weil man noch nicht so richtig viel sehen konnte. Nur Schafe, Schafkacke und Blumen.





Als wir nach guten drei Stunden ENDLICH oben angekommen waren, wurde mir aber schlagartig bewusst, dass ich alles richtig gemacht hatte. Wenn man klettert, guckt man eigentlich immer nur den Berg an und sieht nicht viel. Und dann das:







Es waren uebrigens 1630 Hoehenmeter in 3 Stunden und 9 Minuten. Also 189 Minuten, macht 11340 Sekunden, macht 0.14 Hoehenmeter/s. Da ich so ungefaehr 68kg wiege, sind das E = m*g*h = 68*9.81*0.14m/s = 96 Joule/s. Gaube ich. Da eine Joule eine Wattsekunde ist, muesste ich 3 Stunden lang runde 100 Watt geleistet haben.

Oben wars ziemlich fies windig und somit richtig kalt. Da am hoechsten Punkt ein Sendemast aus Holz mit Treppen-Naegeln drin aufgebaut war, erinnerte Lesley sich an die Geschichte, wie sie als sechsjaehrige auf so einen Mast kletterte, abrutschte und mit ihrer Kapuze am Nagel haengen blieb. Ihre Schweter musste Papa holen, der dann eben jene Schwester verantwortlich machte. Sie hatte ja nicht aufgepasst. Praktisch.

Jedenfalls sind wir nur kurz oben geblieben und haben lieber auf dem halben Abstieg Pause gemacht und Sachen aufgegessen. Vorher sind wir aber noch einem Typen begegnet, der raufgejoggt ist (wie auch Lesley ein paar Tage vorher). Wir kamen ins Quatschen, weil er ein Foto von sich haben wollte. Ein sehr netter Mensch, der uebrigens Rugby spielt.



Der Abstieg war noch viel anstrengender. Kann ich nicht so richtig erklaeren, aber es zieht bei jedem Schritt an ganz anderen Muskeln als beim Aufstieg. Dafuer kann man die ganze Zeit die Welt ansehen.







Anschliessend sind wir nach hause gefahren. Wenige jiffies, nachdem wir im Zimmer waren, bin ich in allen Klamotten auf meinem Bett eingeschlafen. Ich wachte nur kurz auf, als die Hotelchefin Caroline kurz ihren Kopf reinsteckte und mit Lesley sprach:

C: Oh, what happened to your mate?
L: He crashed :)
C: Haha, you should take a picture!

Dann bin ich um 11 nochmal kurz aufgewacht, habe Nudeln gegessen, ein Bier getrunken und weiter geschlafen.

Freitag, 2. Januar 2009

Wanaka, zweiter Tag

Heute hats erstmal geregnet. Lesley hatte gestern von einem kleinen Kino im Dorf erzaehlt - nach der Haelfte wird der Film unterbrochen, man geht pullern und kauft frisch gebackene Kekse ein. Grosse Kekse. Dann isst man sie auf. Und 20 Minuten spaeter geht der Film weiter.

Es liefen Australia um 14 Uhr, James Bond danach. Also Australia. Wir waren puenktlich da und haetten sogar im Auto sitzen koennen. Wollten wir aber nicht.



Als echter Gentleman habe ich zwei Kekse fuer mich und einen fuer sie eingekauft. Eigentlich ganz lecker, aber nach 1,2 Keksen faellt einem auf, dass sie aus einer Teigmasse aus dem Eimer gebacken wurden und ziemlich fettig sind. Naja.

Der Film entpuppte sich als Mischung aus Der Traumfaenger, Pearl Harbor und Oestrogen. Als ich sah, dass Baz Luhrmann Regie fuehrte, kamen wir auf "Wear Sunscreen" zu sprechen. Ich machte eine finstere Miene und sagte

"The long term benefits of sunscreen, aehhh, I will dispense this advice now!"

Daraufhin sagte sie: "Floss!". Ich brauchte eine Weile, dann musste ich lachen. Lesley ist naemlich Zahnreinigungstante, und das Lied fordert unter anderem auch im Imperativ einsilbig zur Interdentalreinigung auf. Lustig.

Anschliessend wollte sie noch 2,5 Stunden laufen gehen. Super, hab' ich Zeit fuer mich! Da der Regen inzwischen aufgehoert hatte, hab' ich Orangen, Schokolade und einen Kaffee eingekauft und mich an den See gesetzt. Dann habe ich eine Zeitung gelesen, Musik gehoert und die Kamera auf Zeitraffermodus gestellt.





Irgendwie ging die Zeit irre schnell um, und Lesley war nach 2,5 Stunden und 33km wieder da. Also hoerten wir noch deutsche Musik, fuhren mit dem Fahrrad zurueck ins Hotel und gingen pennen.

Donnerstag, 1. Januar 2009

Wanaka

Gestern Abend hat mir Lesley, die Ironman-Laeuferin aus Auckland SMS mit Standardtexten geschickt. Ihr muesst naemlich wissen, dass sie fast jeden Tag entweder gute 100km Fahrrad faehrt, 30km laeuft oder 5km schwimmt. Manchmal auch zwei aus den drei Sachen. Ausserdem klettert sie gerne auf Berge und verschickt dann MMS, die ich aber nicht empfangen kann.

Da ihr Vodafone-Tarif aber auch unbegrenzte SMS beinhaltet, bin ich haeufig recht detailliert ueber ihre Vorhaben informiert. Das sieht dann z.B. so aus:

I'm off 2 tramp in Mt Apsiring 4 nxt 2.5 days. Ther r so many fun things 2 do here in wanaka. I hav lots planned 4 my stay here :-) Hav fun on T.crossing! Tschuess, lesley


Nachdem sie hoerte, dass ich mit einer kaputten Kupplung in Wellington festsitze, schlug sie vor, ob ich sie nicht vom 1.1. bis zum 5.1. in Wanaka besuchen moechte. Der Flug kostet 850$. Wie waers denn, wenn sie 650$ und ich 200$ zahlen wuerde?

- "Ich glaube, Du bist ein bisschen irre", sagte ich ihr am Telefon.
- "Yeah, well, I'm a kiwi :) Come on, thats just another random turn in your trip, isn't it?"
- "Lesley, thats incredibly nice, but, I'm already screwed, need to pay at least $450 for my clutch. I can't, seriously".
- "Oh, ok. Well, maybe thats better, 'cause I should really pay off my debt anyway."

Sie hat sich naemlich ein Rennrad fuer 8000$ gekauft, dass noch nicht ganz ihr gehoert. Spaeter rief sie aber nochmal an. Das Problem war, dass der 1.1. der Todestag ihres Vaters ist. Der hat ihr immer erzaehlt, sie soll ihr Bafoeg abbezahlen und bloss sparen. Dann hatte er eines Tages Krebs und ihr empfohlen, bloss das Geld aus dem Fenster zu werfen und wie ein Rockstar zu leben.

Aus dieser emotional eher instabilen Lage heraus verbesserte sie das Angebot nicht nur dahingehend, dass sie alles und ich nichts zahle ("thats only two days worth of pay anyway, come on!!"), sondern sie bediente sich auch der emotionalen Erpressung. Wenn ich nicht kaeme, blahblahblah, und ihr Vater. Und ausserdem muss ich mir unbedingt Mount Dingsbums ansehen, der Ausblick ist so toll. Und wir koennen Laufen gehen.

Ich sagte, ich muesste mir das mal alles ueberlegen und wuerde sie zurueckrufen. Bloss schnell auflegen!

Also, was jetzt? Bis zum 5.1. in Wellington haengen und auf offene Laeden und Werkstaetten warten? Oder mit einer hoechst ortskundigen Frau mit einer Lebensenergie wie Spongebob 4 Tage Wanaka erkunden?

Wie Raymond Davey sagte: "If you want normality, don't travel."

Also zurueckgerufen und zugesagt. 19 Minuten spaeter hatte ich eine SMS mit den Flugdetails, am 1.1. um 13:55 gehts von Wellington nach Queenstown.





Somit habe ich die Suedinsel wider Erwarten zum ersten Mal nicht von der Faehre, sondern aus der Luft gesehen:



In Queenstown angekommen ging es nach einer Stunde mit dem Bus weiter nach Wanaka.



Dann hab' ich sie getroffen und wir sind nach einem Kaffee noch eine Dreiviertelstunde auf einen kleinen Berg (Mount Iron) geklettert, so dass man Wanaka von oben sehen konnte.





Die Gegend ist wirklich schoen, weil einfach so wunderschoene Berge ins Wasser fallen. Ohne Strand oder Ufer, einfach so. Huebsch.

Gute Nacht.

2009-01-01 00:00:00

Sylvester.

Gestern habe ich mich ins YHA Hostel geschlichen, um Waesche zu waschen. Ungluecklicherweise habe ich nicht nur alle Klamotten, sondern auch meinen Schlafsack in die Maschine gestopft, so dass zwar alles nass, aber nichts sauber wurde. Ausserdem funktionierte die automatische Waschmitteldosierung nicht.

Nasse Waesche ist ganzschoen schwer und somit bin ich gegen 20 Uhr mit zwei schweren Taschen durch die Stadt gefahren, um ein anderes Hostel zu finden. Bei einem bin ich nach kurzem Dialog mit der Chefin aufgenommen worden, so dass ich um 22:40 mit der Waesche fertig war.

Auf dem Weg bin ich noch an einer Polizeikontrolle vorbeigekommen. Drink driving stops here, mate!



Anschliessend bin ich mit Marie und ihrer Freundin Miriam den Massen hinterher gelaufen und bei einem OpenAir-Konzert mit einer schlechten Musikgruppe mit zu vielen Gitarren gelandet. Alles in allem trotzdem ganz schoen, weil die Menschen gut gelaunt waren.





Als die rueckwaertszaehlenden Leute bei 2 angekommen waren, klingelte mein Telefon, und bei 0 hoerte ich ein "Hier ist Guido, schoenes neues Jahr!".

Dankeschoen, Guido!

Auf dem Rueckweg gafften wir noch kurz bei der Polizeikontrolle - es fielen aber keine Schuesse mehr. Um dieser Langeweile zu entrinnen, entschloss sich Marie kurzzeitig, nackt* auf dem Auto zu tanzen, wie es zuvor ein betrunkener Franzose getan hatte.





Heute morgen um 5 wird Marie zum Bahnhof fahren und mit dem Overlander von 7 bis 19 Uhr nach Auckland fahren, um dann am naechsten Tag wieder nach Hause zu fliegen.

* nicht wirklich.